Rückblick 2005 – August: Aale in der Wüste züchten?

Als ob die europäischen Glasaalbestände noch nicht genug ausgebeutet und an Mastanlagen nach Fernost verkauft werden. Jetzt werden die Tiere, deren Bestände sich in Europa bereits außerhalb sicherer biologischer Grenzen befinden, auch noch in die israelische Wüste geflogen.

Dort werden die in Europa eingefangenen Babyaale zu Tausenden in unterirdischem Brackwasser auf max. 200g/Aal gemästet und verschwinden dann im Räucherofen anstatt in den europäischen Flüssen auf natürliche Weise ein Gewicht von 3 Kg und mehr zu erreichen. Das Ganze wird dann noch als Errungenschaft der Wüstenforschung verkauft.

Was jedoch verschwiegen wird:

Jedem dieser geheimnisvollen Tiere wird die Chance auf Fortpflanzung genommen, von der man bis heute noch nicht einmal weis, wie und wo genau sie stattfindet. Hier wären die Forschungsmittel wohl besser aufgehoben. Aale stehen in vielen Ländern Europas auf der roten Liste der bedrohten Tierarten. Die Bestände sind zum Teil völlig zusammengebrochen.

Zur Verdeutlichung:

Man stelle sich vor, ein Schwein würde erst mit 12 Jahren geschlechtsreif werden und man müsste es 6000 km weit transportieren damit die Fortpflanzung gelingt. Dies macht aber keiner, sondern man schlachtet ab sofort alle Schweine im alter von 3 Jahren. Wie lange würde es dann wohl noch Schweine geben?

Vom Aalbestand ist wegen solcher Methoden in den letzten 25 Jahren mancherorts nur noch 1% übrig geblieben.

Begriffe wie Aalzucht oder -forschung sind in diesem Zusammenhang demzufolge irreführend und fern jeder Realität.

Schließlich dürfte bekannt sein, dass alle Versuche von Wissenschaft und Forschung Aale in Gefangenschaft zu züchten in den letzten 45 Jahren weitgehend fehlgeschlagen sind. Es gibt keine Aalzucht, sondern lediglich Mastanlagen, die bei Stückgewichten bis 200g zudem ökologisch gesehen nicht einmal 5 % der möglichen natürlichen Produktionsmasse erreichen. Aale lassen sich nicht in Gefangenschaft vermehren!

Es gibt nur einen einzigen Ort auf der Welt wo eine Vermehrung der europäischen Aale seit Jahrtausenden stattfindet. Die Sargassosee im Westatlantik. Jeder europäische Aal wird dort geboren und kehrt eigentlich am Ende seines Lebens zur Fortpflanzung wieder dorthin zurück, wenn man ihn lassen würde.

Jeder Aal (weltweit) stammt aus einem Wildfang. Egal ob im Aquarium, in der Forschung oder auf dem Teller.

Wenn bedrohte Arten noch stärker dezimiert werden müssen, nur um das mit viel Geld aus der Tiefe der Wüste hoch geholte Brackwasser irgendeinen wissenschaftlichen oder ökonomischen Sinn zu geben, dann kann da etwas nicht stimmen. Weshalb werden mit dem Wasser nicht lediglich Tomaten und Shrimps gezüchtet?

Muss unbedingt auch noch eine bedrohte Art mit ins Spiel gebracht werden? Oder liegt es wieder mal am Geld? Wer finanziert solchen Blödsinn eigentlich?

Der Preis für Räucheraal ist in den letzten Wochen um ca. 7% gestiegen (zumindest in meinem Supermarkt). Sollte der Aal im Wüstenwasser diese Projekte erst finanzierbar machen?

Wie man es auch drehen und wenden will, am Ende bezahlt wohl der europäische Aal, mit seinem Leben und im schlimmsten Fall mit der Ausrottung seiner Art.

 

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