Aalsaison und Fangaussichten 1.1

Allgemeines

Zu welcher Jahreszeit kann man auf Aale angeln? Diese Frage ist gleichermaßen einfach wie unmöglich für alle Situationen, Gewässer und Regionen pauschal zu beantworten. Grundsätzlich kann das ganze Jahr hindurch den Aalen nachgestellt werden. Die Erfolgsaussichten werden jedoch von vielen Faktoren bestimmt. Wetter, Luft- und Wassertemperatur, Luftdruck, Lichtverhältnisse und vor allem auch das Nahrungsangebot der vorangegangenen Tage haben einen Einfluss auf das Fress-/Beißverhalten der Aale. Da sich diese Faktoren naturgemäß im Verlauf eines Kalenderjahres ändern, ist auch das Beißverhalten der Aale je nach Jahreszeit unterschiedlich zu beurteilen. Allgemeingültige Aussagen über die Zusammenhänge von Faktoren/Bedingungen und den jeweiligen Fangaussichten auf Aal sind im Laufe von Generationen zusammen und weiter getragen worden. Auf Grund dieser Erfahrungswerte lässt sich die Aalsaison heute hinsichtlich der allgemeinen Fangaussichten relativ gut einschätzen.

Januar/Februar

Zu Beginn eines Kalenderjahres sind die Aussichten einen Aal mittels ausgelegten Köders an den Haken zu locken unter normalen winterlichen Bedingungen äußerst gering. Der Aal wird seinen Unterschlupf bei Wassertemperaturen von weniger als 8° C nicht freiwillig verlassen. Er liegt vielmehr fast regungslos in seinem Versteck und lässt allenfalls den Kopf herausschauen. Der Stoffwechsel ist soweit herunter gefahren, dass er, wenn überhaupt, nur direkt am Maul vorbei treibende und auch nur sehr kleine Nahrungshappen annehmen wird. Er geht im Winter nicht auf Nahrungssuche sondern lebt von seinen Fettreserven. Aalfänge sind zu dieser Zeit also weniger gezielt zu erreichen, sondern in der Regel einem glücklichen Zufall zu zuschreiben. Dennoch können exakte Kenntnisse von der Lage eines Unterschlupfes dem Glück etwas nachhelfen. Die Aalangelei in der kalten Jahreszeit ist somit nur etwas für absolute Spezialisten mit entsprechend robuster Ausrüstung. Beifänge beim Quappenangeln kommen zwar alljährlich vor, bilden jedoch die Ausnahme.

Januar/Februar

Januar/Februar

März/April

Die Saison des eigentlichen Aalanglers beginnt deshalb erst im März/April. Wenn die Knospen der Ufererlen aufgehen begibt sich der Aal so langsam wieder auf Nahrungssuche und es ist Zeit den ersten Versuch am kleinen Fischwasser zu starten. Viele Aalangler starten in der Nacht vom Ostersonntag auf den Ostermontag in die Saison, unabhängig vom Datum und von den Aussichten auf Erfolg. Da die Wassertemperatur jetzt aber immer noch recht gering ist, sollten flache Bereiche (unter 1m), die zudem tagsüber von der Frühjahrssonne verwöhnt worden sind, ausgewählt werden. Hier sollte mit kleinen Ködern (vorzugsweise Wurmstücke oder Maden), möglichst wenig Gewicht und Haken der Größe 8 der eine oder andere Aal zu überlisten sein. Meistens werden die ersten Aale der Saison in kleinen Gräben bis 50 cm Wassertiefe gefangen. Die Größen liegen durchschnittlich bei 50 bis 60 cm. Die Gewichte lassen aber sehr zu wünschen übrig. Zudem werden zu dieser Zeit viele untermaßige Satzaale wieder gefangen. Die Aalsaison beginnt jetzt mit Ausnahme der Gräben und Tidengewässer lediglich in den Stillgewässern, da es hier die für die Erwärmung notwendigen Bereiche gibt. In den mittleren und großen Fließgewässern des Binnenlandes beginnt sie in der Regel einige Wochen später, wenn auch hier die Temperaturen bei 8° C bis 10°C liegen. Der Stoffwechsel der meist abgemagerten Aale wird mit steigenden Wassertemperaturen langsam angekurbelt. Nach und nach verlassen die Aale nun ihre Verstecke um im wärmeren Flachwasser auf Nahrungssuche zu gehen. Wegen des noch auf Sparflamme laufenden Stoffwechsels reichen kleinste Köder vollkommen aus. Anfüttern oder ähnliches führt in dieser Situation eher zu einer Verschlechterung der Fangaussichten und sollte deshalb unterbleiben. Im klaren Frühjahrswasser gibt es wegen des geringen Pflanzenwachstums nur wenige Versteckmöglichkeiten. Deshalb ist er besonders im flacheren Wasser seinen Feinden stärker ausgeliefert. Das Beißverhalten des Aals ist dementsprechend äußerst vorsichtig. Beim geringsten Widerstand wird der Köder misstrauisch wieder ausgespuckt. Mit freier Leine und offenem Rollenbügel sollte jedoch auch ein misstrauischer Aal zu überlisten sein. Die Beißzeit beginnt hier mit der Dämmerung und endet ca. 1-2 Stunden nach Sonnenuntergang. Da mit dem Verschwinden der Sonne auch die Luft sehr schnell wieder abkühlt macht es keinen Sinn länger auf Aal zu angeln. An und nach Tagen mit Frosteinbrüchen sind die Fangaussichten ebenfalls sehr schlecht. Soweit einzelne Weißfische bereits zu Laichen beginnen, könnten nachfolgende Hinweise bereits für Ende April eine gewisse Bedeutung für die Fangaussichten haben.

März/April

März/April

Mai/Juni

Ab jetzt lohnt sich das echte Nachtangeln auf Aal und entsprechend viel wird auch auf Aal geangelt. Während vorher nur wenige Stunden nach Einbruch der Dämmerung mit Bissen zu rechnen war, kann man jetzt auch schon mal eine Nacht hindurch ansitzen und auch fangen. Die jahreszeitlichen Bedingungen im späten Frühjahr und im Frühsommer sind für viele Tiere am optimalsten zur Fortpflanzung. So auch für viele einheimische Fische. Insbesondere die Laichzeiten der kleinen Weißwische bieten sehr gute Aussichten auf Erfolg. Es herrscht jetzt ein regelrechtes Überangebot an Nahrungsquellen für den Aal. Mancherorts geraten die Aale offenbar in einen regelrechten Fressrausch, welcher im auspressen, zerfetzen und aussaugen erbeuteter Laichfische, mit Vorliebe für Rotfedern, gipfeln kann. Fetzenköder der betreffenden Arten oder der Laich selbst sollte zu dieser Zeit an den entsprechenden Laichplätzen angeboten werden. Auch tagsüber sind damit zu dieser Zeit gute Fänge zu erzielen. Ab Juni bestehen beste Aussichten mit kleinen aufgeschnittenen Köderfischen den einen oder anderen Breitkopf zu erwischen. Jetzt lohnt sich auch die Angelei an den mittleren und größeren Fließgewässern, wo ein leichtes Anfüttern jetzt erst Sinn macht. Zum Fang werden alle für das Aalangeln gängigen Geräte, Montagen und Methoden angewendet. Zu dieser Zeit werden die meisten Aale von Anglern gefangen, da nun auch viele Allrounder ihr Glück versuchen und viele Untermaßige dabei sind. Quantitativ ähnlich jedoch qualitativ besser wird oft nur noch gegen Ende der folgenden Zeitspanne gefangen.

Mai/Juni

Mai/Juni

Juli/August

Im Sommer und Hochsommer spielt die jahreszeitlich bedingte Großwetterlage eine geringere Rolle, da sie im Allgemeinen für optimale Bedingungen bekannt ist. Viel wichtiger ist zu dieser Zeit die regionale Wetterlage. Die Aale sind jetzt recht wetterfühlig und launenhaft in ihrem Beißverhalten. Hierfür sind die mit Wetterwechseln verbundenen häufigen Luftdruckschwankungen verantwortlich. Die Fangaussichten sind zwar im Allgemeinen recht gut aber es gibt sehr viele Faktoren die einen negativen Einfluss auf die Tagesform der Aale haben und gleichzeitig sehr wenige Faktoren die das Beißverhalten noch begünstigen. So ist es allgemein bekannt, dass die Fangaussichten direkt nach einem Sommergewitter sehr gut sein sollen. Wer nun aber glaubt, nach jedem Gewitter gleich loslaufen zu müssen, um eine der berühmten Sternstunden zu erleben, irrt sich gewaltig. Fällt der Luftdruck nach einem Gewitter (Wetterwechsel) macht dies z.B. nicht viel Sinn, denn während dem Aal steigender oder gleich bleibender Luftdruck nahezu egal ist, mag er fallenden Luftdruck überhaupt nicht. Während des Gewitters oder kurz vorher ist es natürlich egal. Dann gehören die Ruten sowieso nicht ins Wasser. Ähnlich verhält es sich mit dem Wasserstand. Steigende Wasserstände oder sommerliche Hochwasser wirken sich positiv auf das Beißverhalten aus. Bei trübem oder tiefem Wasser sind nun auch Fänge am Tage möglich. Gleichbleibende oder fallende Wasserstände wirken sich im Umkehrschluss aber nicht zwingend negativ auf das Beißverhalten aus. Eine alte Aalweißheit beschreibt den Höhepunkt der jährlichen Aalsaison. Danach liegt dieser in der 2. Augusthälfte irgendwann zwischen 7 Tage vor und 7 Tage nach Neumond. Wenn es zu dieser Zeit stürmt und regnet kann man mit Kaulbarschen als Köder die seltenen Sternstunden erleben. Bei hochsommerlichen Temperaturen von 30° C beißt der Aal bis ca. 1 Uhr nachts und dann erst wieder gegen 5 Uhr morgens bis zum Sonnenaufgang. Wenn es richtig drückend und gewitterschwül ist, beißt der Aal auch dort am Tage, wo er es sonst nicht tut. Steigt die Temperatur im Wasser auf über 25° C und mehr fällt der Sauerstoffgehalt vieler Gewässer in den für Fische gefährlichen Bereich. Dies gilt insbesondere für den Grund dieser Gewässer, wo der Sauerstoffgehalt ohnehin schon am geringsten ist. Es kann sich wohl jeder Vorstellen, dass dies nicht gerade Bedingungen sind die einen Aal in Fresslaune versetzen können. Im Gegenteil. Der durch den Sauerstoffmangel verursachte Stress sorgt für eine komplette Einstellung der Nahrungsaufnahme und kann in extremen Fällen zu einem sommerlichen Massensterben der Aale führen. Der Aal kann zwar jede Menge an Belastungen durch Verschmutzung einstecken, aber Hitze und fehlende Atemluft kann er nicht kompensieren. Die Köderpalette oder besser gesagt der Speisplan des Aals ist ansonsten zu dieser Jahreszeit besonders riesig, so dass man wirklich die Qual der Wahl hat. Unter Umständen stimmt alles nur der Köder ist an diesem Tag gerade der Falsche.

Juli/August

Juli/August

September/Oktober

Jetzt sind die Aussichten auf kapitale Blankaale am größten. Diese stellen das fressen zwar nach und nach endgültig ein, aber vorher werden noch einmal richtig Fettreserven angefressen um die lange Wanderung zu den Laichplätzen zu überstehen. Zudem behalten sie einen gewissen Beißreflex auch dann noch, wenn sie durch die Rückbildung der Verdauungsorgane gar keine Nahrung mehr verwerten können. Ansonsten ist der bevorstehende Winter und die damit verbundene Einstellung/-schränkung der Nahrungsaufnahme der entscheidende Grund für die verstärke Nahrungsaufnahme aller Aale und somit auch für den Fangerfolg. Es wird auch weiterhin mit den üblichen Methoden auf Aal geangelt. Bei der Montage sollte jedoch zu etwas stärkerem Gerät gewechselt werden, soweit dies nicht bereits in der gesamten Hauptsaison verwendet wurde. Bei der Verwendung von Köderfischen sollte ein dünnes Stahlvorfach spätestens jetzt zur Pflicht gehören. Die allgemeine Aalsaison endet im Herbst mit dem Tage, an dem das Quecksilber des Thermometers erst mal unter die 4° C Marke fällt. So lautet zumindest eine weitere alte Aalanglerweisheit.

September/Oktober

September/Oktober

November/Dezember

In der Ostsee kann man Anfang November noch relativ erfolgreich versuchen die letzten abziehenden Blankaale an den Haken zu bekommen. Auch wenn sich der Spätherbst einmal sehr in die Länge ziehen sollte besteht ansonsten bei Nachtfrösten ab Anfang November über einen längeren Zeitraum kaum noch Aussicht auf Erfolge. Nachzügler beim ersten Quappenangeln kommen zwar ebenso vor, sind aber ähnlich selten wie die Beifänge zu Beginn der Aalsaison.

Schlussbemerkung

Die vorgenannten Angaben beziehen sich ausschließlich auf allgemeine Erfahrungswerte bei normaler Bestandsdichte, in natürlichen Aalgewässern unter absolut normalen jahreszeitlichen Bedingungen ohne Berücksichtigung weiterer Individualfaktoren. An speziellen Gewässern bzw. Gewässerabschnitten mit speziellen Bedingungen z.B. Warmwassereinläufe an Kraftwerken, überbesetzte private Tümpel, Hafenbecken u.ä.m. kann sich das Aaljahr u.U. völlig anders darstellen. Diese Informationen erheben deshalb keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für ergänzende Hinweise zur Sache bin ich allerdings sehr Dankbar.

 

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