Gefährdungen des Aals (Alpha)

Die Gefahren denen ein Aal im Laufe seines Lebens ausgesetzt ist, sind sehr vielfältig. Da leider immer wieder einzelne Sachverhalte als Ursache für die akute Bestandsbedrohung herausgepickt werden, um aus unterschiedlicher Motivation bestimmte Interessen zu verfolgen, sollen die Gefährdungen im folgenden einmal zusammengefasst dargestellt werden.

Es ist dabei anzunehmen, dass nicht eine Ursache allein Auslöser der starken Bedrohung der Aalbestände ist, sondern mehrere der im Folgenden aufgeführten zivilisationsbedingten Einflüsse in sich gegenseitig zunehmender Parallel- und Wechselwirkung zugrunde liegen.

Klimaveränderung

Durch die globale Erwärmung schmelzen die Polkappen immer weiter ab. Es kommt zu Verschiebungen und Veränderungen des Salzgehalts und der Meeresströmungen. Die Larven der Aale benötigen für ihre lange Reise aus der Sargassosee die unterstützende Strömung des Golfstromes. Es gibt bisher nur wenige Analysen die zum Einen ein Nachlassen der Strömung und zu Anderen auch eine Verschiebung des Golfstromes für denkbar halten. Beides birgt die Gefahr, dass zukünftig immer weniger Larven den europäischen Festlandsockel erreichen können und es somit immer weniger Glasaale gibt. Dies bedeutet auch zwangsläufig, dass die Gelbaal- und Blankaalbestände ebenfalls immer weiter zurückgehen. Sollte diese Situation eintreten, bevor es gelingt Aale künstlich zu vermehren, wird der europäische Aal definitiv aussterben. Selbst wenn es klappen würde, alle nachfolgenden Gefährdungen abzustellen, ließe sich das Aussterben des europäischen Aals nicht mehr verhindern.

Mögliche Maßnahmen:

Soweit nicht eindeutig feststeht, ob der Mensch für die Klimaerwärmung verantwortlich ist oder nicht, sollte jeder sein Möglichstes für den Klimaschutz tun. Denn bei einer weltweit drohenden Klimakatastrophe wären ausgestorbene Aale wohl das geringste Problem für die Menschheit.

Fischerei

Mit Ausnahme des Larvenstadiums werden Aale in allen Entwicklungsstadien ihres Lebens intensiv befischt.

Glasaalfischerei

Die Glasaalbestände wurden in westeuropäischen Ländern auch früher schon zum Teil zur Ernährung befischt. Zu dieser Zeit wusste man dort noch nicht, dass aus ihnen einmal Aale werden würden. Deshalb wurde der weitaus größere Teil der gefangenen Glasaale damals zur Schweinemast verwendet, in großen Mengen als Dünger auf den Feldern verstreut und zu Klebstoff verarbeitet. All Dies hat den Beständen offenbar kaum geschadet.

Erst mit aufkommender Privatisierung bzw. Kommerzialisierung für Mast- und Besatzzwecke wurde die Glasaalfischerei sehr stark intensiviert und der Handel mit lebenden Glasaalen zu einer profitablen Einnahmequelle. Da aber gleichzeitig auch die traditionelle Nutzung nicht komplett aufgegeben wurde, kam es mit der Zeit zu einer rücksichtslosen Ausbeutung der Glasaalbestände.

Trotzdem man sich bewusst sein musste, dass der Besatz in verbaute und/oder nicht zum Einzugsgebiet gehörende Gewässer für die Bestandserhaltung komplett verloren war, wurden diese Gewässer in unvorstellbarem Maße mit Glasaalen besetzet. Durch diese räumliche Ausdehnung auf künstliche und ungeeignete Gewässer, stieg auch der Bekanntheitsgrad und die Nachfrage. Dies ließ wiederum den Preis für Aal in allen Entwicklungsstadien steigen.

Die hohe Sterblichkeit der wertvollen Glasaale lies angeblich sich nur reduzieren, wenn die Aale bis zu einer bestimmten Größe vorgestreckt wurden, wodurch sich letztlich auch der Profit weiter in die Höhe treiben lies.

In der Folge wurden nicht nur in Europa, sondern auch in Nordafrika und Asien, Aalfarmen gebaut, die sich auf die künstliche Mästung von Glasaalen spezialisiert haben. Da diese Farmen aber auch mit wilden Glasaalen aus westeuropa eingedeckt werden mussten, und dafür auch völlig überhöhte Preise zahlen konnten, wurde der Glasaalfang weiter derart verstärkt, dass es letztlich zur Überfischung der europäischen Glasaalbestände und inzwischen zum zusammenbrechen der gesamten europäischen Glasaalpopulation gekommen ist. Der europäische Aalbestand befindet sich in seiner Gesamtheit seither außerhalb sicherer biologischer Grenzen.

In zentraleuropäischen Flüssen findet kein nennenswerter Aufstieg an Glasaalen mehr statt. In hiesigen Gewässern schwimmen heute englische, französische und spanische Aale. Inzwischen ist die Situation soweit vorgeschritten, dass selbst für den Besatz der natürlichen Einzugsgebiete keine bzw. nicht mehr genügend Aalbrut verfügbar ist, weil so gut wie alle zur Verfügung stehenden Bestände von Aalhändlern im In- und Ausland aufgekauft werden. Daher bleibt den meisten Fischern und Vereinen nur noch der Besatz mit vorgestreckten Aalen aus ausgerechnet solchen Aalfarmen (Satzaale).

Angelfischerei

Satzaale befinden sich am Anfang der Fress- und Wachstumsphase, welche allgemein auch als Gelbaalstadium bezeichnet wird.
In dieser Wachstumsphase werden Aale vor allem von Anglern mit natürlichen Ködern gefangen. Obwohl die meisten Angler eine Fangstatistik zu führen haben, die u.a. auch die Grundlage für Besatzmaßnahmen darstellen soll, liegen kaum offizielle Zahlen über die gesamte Fangmenge an Gelbaalen vor.

Es ist daher nicht unproblematisch den Einfluss der Angler auf den Aalbestand anhand von Hochrechnungen zu schätzen. Klar dürfte jedoch sein, dass auch jeder von Anglern entnommene Aal, unabhängig ob ursprünglich besetzt oder natürlich aufgestiegen, einen reduzierenden Einfluss auf den Aalbestand hat. Gegenteilige Behauptungen wären unglaubwürdig und zudem unseriös.

Nach Auswertung einer Umfrage zur Anzahl der beim gezielten Aalfang gefangenen Aale wurden im Jahr 2006 durchschnittlich 20 Aale je Aalangler ermittelt. Insgesamt wurden 1378 Aale von 68 Aalanglern mitgeteilt. Gut 70 % der Aalangler fingen jedoch nicht mehr als 20 Aale in diesem Jahr. Jeder 2. Aalangler hatte sogar nur max. 10 Aale gefangen. Hingegen hatten 3 Aalangler jeweils über 100 Aale erwischt.

Im Jahr 2007 wurden je Aalangler (bei gezieltem Aalangeln) durchschnittlich 25 Aale gefangen. In diese Auswertung sind 856 Fänge von 34 Aalanglern eingegangen. Wobei auch hier ca. 70 % der Aalangler weniger als 20 Aale im Jahr 2007 gefangen haben. Lediglich ein Angler hatte mehr als 100 Aale.

Übereinstimmend lässt sich also feststellen, dass zumindest nach dieser Auswertung ein Aalangler im Schnitt wohl 20 bis 25 Aale im Jahr fängt. 70 % der Aalangler fangen jedoch weniger als 20 Aale pro Jahr. Wenn von den ca. 5 Millionen Anglern in Deutschland nur jeder 100. Angler ein entsprechender Aalangler wäre, so würden jedes Jahr ca. 1.000.000 Aale in Deutschland von Anglern gefangen werden. Die tatsächliche Zahl der Aalangler lässt sich leider nicht feststellen, sie dürfte aber weitaus höher liegen als hier angenommen.

Der Übergang vom Gelbaal zum Blankaal erfolgt, wie beim Übergang vom Glasaal zum Gelbaal, innerhalb einer Übergangsphase. In diesem Entwicklungszeitraum werden abwandernde Blankaale ebenfalls noch mit der Angel gefangen. Nach Abschluss der Umwandlung gelingen aber nur noch selten Fänge mit der beköderten Rute, da der Aal keine Nahrung mehr verwerten kann und allenfalls nur noch reflexartig zubeißt.

Die Wilderei und der Einsatz verbotener Fangmethoden stellen ein ernsthaftes Problem für die Aalbestände dar. Insbesondere das legen von Aalschnüren stellt grundsätzlich eine vorsätzliche Quälerei gemäß Tierschutzgesetz dar und wird allzu oft als Kavaliersdelikt angesehen. Mit Angelei haben solche skrupellosen Methoden nichts mehr zu tun.

Berufsfischerei

Während der Abwanderung werden die Blankaale überwiegend mit Reusen- und Reusensystemen von der Berufsfischerei gefangen. Aber auch die kleineren Gelbaale werden von den Berufsfischern entnommen, wenn sie in die Netzte gehen. In einigen Gewässern sind die Flussmündungen regelrecht mit Reusen oder Hamen abgesperrt. Die Hamenfischerei hat in der Vergangenheit große Bestandsschäden in den Fließgewässern verursacht. Es wurden über Jahrzehnte viel zu viele Aale auf ihrer Laichwanderung aus den Flüssen gefiltert. Immer weniger Aale schafften die Passage durch das engmaschige Netz der Fanggeräte.

Alles, was bisher nicht gefangen oder auf andere Art und Weise umgekommen war, muss nur noch unbeschadet der zerstörerischen industriellen Netzfischerei mit Grundschleppnetzen auf den Meeren überstehen, um letztlich eine Chance zur Fortpflanzung zu haben. Es ist schon verwunderlich, dass es überhaupt noch einige Aale schaffen.

Mögliche Maßnahmen:

  • Quotierung der Glasaalfänge
  • Quotierung der Verwendung von Glasaalen zur industriellen Aalmast in Aalfarmen
  • Verwendungsgebot von Glas- und Satzaalen für Besatz natürlicher Einzugsgebiete
  • Exportverbot für Glasaale in Länder außerhalb des natürlichen Einzugsgebietes
  • Maximalmaß (z.B. 90 cm)
  • Schonzeiten (z.B. jede 2. KW)
  • Fanglimitierung (z.B. 50/Jahr und Berufsfischer nach Quoten – ähnlich der Seefischerei)
  • Eindämmung der Fischwilderei/Schwarzfischerei und striktes Verbot von Nachtschnüren (deutlich höhere Strafen und mehr Kontrollen)
  • Wegfall des Entnahmegebots für mäßige Aale (soweit es sich um Beifang handelt)
  • europaweites Verbot von Aalschnüren
  • Drillings- und Zwillingshakenverbot bei der Verwendung von Naturködern
  • Begrenzung der Fangerlaubnisse durch Sonderlizenzen ( z.B. Nachtangelberechtigungen nach dem Vorbild der Salmoniden-Lizenzen ggf. gegen eine Gebühr die ausschließlich für Aalbesatz zu verwenden ist)

 

Räuber und Fressfeinde

Der europäische Aal hat in all seinen Entwicklungsstadien auch natürliche Fressfeinde (Predatoren). Als Glasaal ist er im Meer zwar relativ gut getarnt, er wird aber im Küstenbereich auch zur Beute von Raufischen. Insbesondere die eigenen Artgenossen (Gelbaale) haben es auf die einwandernde Aalbrut abgesehen.

Der Gelbaal ist wiederum eine beliebte Beute von größeren Raubfischen wie Zander, Hecht und Wels. Durch seine langgestreckte Form ist der Aal leicht angreifbar und gut zu schlucken. Darüber hinaus hat der Aal durch seinen Fettanteil einen sehr hohen Nährwert für diese Raubfische.

Der Blankaal wird auf Grund seiner Größe nur von Großhechten und Welsen erbeutet. Insbesondere der Bestand an Welsen hat durch Schonmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen und dadurch zu einem erheblich gestiegenen Druck auf die Aalbestände geführt.

Der Aal hat als Wasserbewohner jedoch auch Fressfeinde über der Wasseroberfläche.
Auf Grund seiner Entwicklungsstadien und der damit verbundenen Lebensräume und Körpergrößen wird er von vielen fischfressenden Vögeln angegriffen. So lange sich die entsprechenden Populationen im Einklang mit einer unterstützenden Nutzung und der natürlichen Reproduktionsfähigkeit im Sinne einer größtmöglichen Artenvielfalt sowohl ober- als auch unterhalb der Wasseroberfläche bewegt, sind all diese Vögel von Anglern gern beobachtete Lebewesen und Bewohner naturnaher Gewässer und Uferregionen.

Ist dies nicht der Fall können einige Arten jedoch erhebliche Schäden unter den Fischbeständen anrichten. Insbesondere sogenannte Spitzenprädatoren, also Tiere die keine oder kaum natürliche Feinde mehr haben und selbst am Ende der Nahrungskette stehen, die zudem nicht als Einzelgänger auftreten und sich dadurch sehr stark vermehren können, sollten zum Schutz bedrohter Arten strengstens Überwacht und soweit erforderlich auch Reguliert werden dürfen.

Sie sind einerseits Nahrungs- und Lebensraumkonkurrenten anderer bedrohter Vogelarten wie z.B. Silberreiher und andererseits eine Gefährdung für den Fortbestand ganzer Fischpopulationen, die bis zur Ausrottung natürlicher Stämme führen kann und wohl auch bereits geführt hat. Sie stellen also nicht nur eine Bedrohung für die Artenvielfalt eines Ökosystems, sondern auch für die genetische Vielfalt innerhalb der bedrohten Arten dar.

Der Gemeine Kormoran (Phalacrocorax carbo), der im Volksmund auch als Scharbe, Seerabe oder Seekrähe bezeichnet wird, ist inzwischen leider zu einem besonders herausragenden Spitzenpredator avanciert. Wegen der eher schlechten Nahrungsverwertung des ca. 3 kg schweren Vogels und seines unsoliden Energiehaushalts besteht beim Kormoran ein vergleichsweise extrem hoher Bedarf an Fischnahrung (500g/Tag, zur Brutzeit bis 750g/Tag). In einigen asiatischen Ländern wird der Kormoran seit Jahrhunderten wegen seiner dienlichen Begierde nach Fisch zur Fischerei eingesetzt. Er wird dabei mit einem Schlundring präpariert, der das verschlingen der gefangenen Fische verhindert, sodass der Fischer die Beute aus ihm wieder herausschütteln kann.

Der Kormoran lebt, im Gegensatz zu den meisten anderen Spitzenprädatoren, nicht als Einzelgänger oder in kleinen Gruppen, sondern in zum Teil riesigen Kolonien. Solche Konzentrationen in lokalen Kolonien können auch der jeweiligen Aalpopulation gefährlich werden.

Nach einer wissenschaftlichen Untersuchung in Schleswig-Holstein beträgt der Anteil von Aal in der Nahrung des Kormorans durchschnittlich 2%. Hochgerechnet auf Jahr ergäbe das ca. 5 Kg Aal je Kormoran, was so ziemlich genau dem durchschnittlichen Jahresfang eines Aalanglers (in Kg) nach dem o.g. Beispiel entspräche.

Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Verteilung der Aalangler. Diese sitzen nämlich nicht Tag für Tag zu Tausenden an einem bestimmten Gewässer. Zudem haben sich die Aalangler im Gegensatz zum Kormoran an Mindestmaße zu halten. Das heißt, die Angabe von 2% ist, was die Anzahl der Individuen betrifft, insofern nicht sehr aussagekräftig. Bei Satzaalgröße würde dies zum Beispiel bedeuten, dass im Vergleich zum Aalangler ein Kormoran etwa die 10-fache Anzahl an Aalen fängt. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der angegriffenen Fische zunächst verletzt entkommen kann, letztlich aber den z. T. schweren Verletzungen erliegt und somit für den Bestand ebenfalls verloren ist.

Kormoranpopulationen können sich nicht auf natürliche Art und Weise regulieren ohne dabei andere Arten lokal stark zu gefährden oder gar auszulöschen. Die Vermehrung findet bis zur Grenze der verfügbaren Nahrungsressourcen statt und kann letztlich sogar dieses Ökosystem zerstören. Eine Standortgebundene Art würde sich durch Krankheiten, Verhungern o.ä. selbst regulieren. Der Kormoran bildet jedoch einfach neue Kolonien und/oder zieht an das nächste Gewässer.

Auf Grund seines großen Einzugsgebietes ist der Kormoran auf diese Art und Weise zum ernsthaften Problem für viele Gewässer ganzer Regionen Europas geworden. Die meisten Gewässer, die vom Kormoran fast leergefressen wurden, was oft erst im Rahmen von Bestandskontrollen mit dem elektrischen Fanggerät bemerkt wurde, haben nur durch den Eingriff des Menschen wieder einen nennenswerten Fischbestand aufzuweisen. Dieser wurde zumeist durch Besatzmaßnahmen neu aufgebaut und führte zumindest zur Erhaltung der Artenvielfalt. Der Schaden für die genetische Vielfalt ist jedoch nicht wieder gutzumachen, weil mit dem verschwinden angestammter Arten auch die genetischen Informationen verloren gegangen sind. Künstlicher Besatz vermag dies nicht wieder in Ordnung zu bringen.

Die Behauptung der Kormoran stünde auf der roten Liste gefährdeter Arten ist irreführend. Denn es gibt 43 verschiedene Kormoranarten. Und nur solche Arten, die seit je her nur in begrenzten Gebieten mit kleinen Populationen vorkommen, stehen völlig zu Recht auf dieser roten Liste.

Der Gemeine Kormoran jedoch nicht, den er bringt es weltweit auf ca. 1.600.000 Tiere. Er ist somit, im Gegensatz zu immer wieder vorgebrachten Behauptungen, in Europa nicht gefährdet.

In Amerika, wo die dort lebenden Populationen einen vergleichbaren Schaden anrichten wie in Europa, konnten die Schäden an natürlichen Gewässern inzwischen konkret nachgewiesen werden. In Europa konnten Schäden an Teichanlagen bewiesen werden. Angesichts der länderübergreifenden Probleme mit der Überpopulation sollte es aber nur eine Frage der Zeit sein, bis auch hier der Nachweis der Schädigung von natürlichen Gewässern erbracht werden kann. Dabei ist unverständlich, wieso in Amerika nachgewiesene Schäden für Europa nicht vergleichbar und nachgewiesene Schäden in Teichanlagen nicht auch auf natürliche Gewässer übertragbar sein sollen. Weshalb soll ein Kormoran in einer Teichanlage durch seinen täglichen Bedarf an Fisch (500g) die Anlage nachweislich schädigen, ein anderer oder auch der gleiche Kormoran, Fischbedarf ebenfalls 500g, aber an einem natürlichen Gewässer keinen Schaden anrichten. Zumal bei einem natürlichen Gewässer zusätzlich zum Kormoran noch viele andere Faktoren relevant sind und sich nicht ohne weiteres so einfach beziffern und/oder abstellen lassen. Der Schaden für die Biodiversität dürfte in einem natürlichen Gewässer logischer Weise sogar um ein vielfaches höher liegen als in einer Teichanlage, wo durch die Vernichtung eines Fischbestandes lediglich ein finanzieller Schaden im Vordergrund steht.

Durch diese Verzögerungstaktik könnte der Eindruck entstehen, als bedürfe es tatsächlich erst der Ausrottung eines Lebewesens innerhalb eines, von allen anderen Einflüssen abgekoppelten, natürlichen Gewässers, zum Beweis einer umweltschädigenden Überpopulation an Predatoren.

Der Kormoran war zu keinem Zeitpunkt in Europa ausgestorben. Er war jedoch in einigen Gebieten durch den Menschen derart stark verfolgt worden, dass er dort nur noch relativ selten vorkam. Weltweit ist bisher „nur“ eine Kormoranart ausgerottet worden. Sie wurde durch Seefahrer, welche die Tiere als Proviant mit auf die Schiffe nahmen, schlichtweg aufgegessen. Auch in Mitteleuropa stand der Kormoran lange Zeit auf dem Speisezettel der Menschen. Über den verbleib der alljährlich im Rahmen von gesetzlich zulässigen Vergrämungsmaßnahmen geschossenen Tiere ist nur wenig bekannt.

Mögliche Maßnahmen

Die Maßnahmen zur Regulierung der Kormoranbestände sind vielfältig, aber nur selten erfolgreich. Zuallererst muss die Politik auf die veränderte Situation der europäischen Kormoranbestände reagieren.

Ein Räuber der vielerorts zur Plage geworden ist, darf nicht daneben weiter unter vermeintlichen Generalschutz gestellt werden. Hier reagiert die Politik zuweilen leider extrem schleppend auf Veränderungen der jeweiligen Situation. Schonzeiten sind z.B. wesentlich zweckmäßiger für eine echte Biodiversität als einseitig propagierter und unzeitgemäßer Predatorenschutz.

  • An Vergrämungsmaßnahmen durch Lärm gewöhnen sich die Tiere recht schnell, wenn nichts weiter passiert.
  • Das Fällen von Brutbäumen, die wegen des aggressiven Kots der Vögel ohnehin keine Chance haben, verhindert zumindest die Bildung und Ausbreitung der Kolonien.
  • Nestzerstörungen sind bisher kaum erfolgreich verlaufen.
  • Ähnlich erfolglos ist das Aufscheuchen der Brutvögel in kühlen Nächten mittels Scheinwerfer, was teilweise zum Brutabbruch führen kann.
  • In manchen Ländern werden die Eier aufwendig mit Wachs besprüht, was zum absterben der Eier führt und eine erneute Brut verhindert.
  • Das illegale aussetzen von Waschbären oder Haustieren mag zwar zu gewissen Erfolgen führen, richtet aber gleichzeitig unbeschreiblich hohen Schaden für den Rest des Ökosystems an und ist deshalb zurecht verboten.
  • Nur als letzter Ausweg und zum Schutz der bedrohten Artenvielfalt unter Beibehaltung traditioneller Gebräuche sollten Kormorane auch gezielt bejagt werden.

 

Der Schutz seiner Nahrungsreserven vor ihm selbst, dient letztlich sogar zum Schutz seiner eigenen Existenz. Ohne Regulierung durch den Menschen würde der Kormoran sich letztlich bis an die Grenzen der Gesamtgewässerbelastung vermehren, die Nahrungsreserven vollständig aufbrauchen und anschließend von selbst aussterben. Hierzu müsste der Mensch jedoch zusehen, wie viele andere Arten vom Kormoran vernichtet werden. Er dürfte keine Fische in die Gewässer mehr setzen, Wiederansiedlungsprojekte lokal bereits ausgestorbener oder gefährdeter Fischarten wären hinfällig und es müssten viele traditionelle Sitten und Gebräuche und z.T. auch die berufliche Existenz aufgegeben werden.

Der Mensch hat sich die Natur zu nutze gemacht. Seitdem und solange es Menschen auf der Erde gibt, ist dies nur durch Eingriffe in die Natur möglich. Jeder Eingriff hat jedoch oft auch schwerwiegende Folgen. Dies gilt es wiederum zu korrigieren um weiteren Schaden von der Natur abzuwenden. Nicht nur die Ausrottung einer Art ist solch ein schwerwiegender Eingriff in die Natur. Auch der Schutz einer einzelnen Art kann zu Schäden in der Natur führen, wenn mögliche und tatsächliche Folgen unterschätzt oder gar ignoriert werden, anstatt schnellstmöglich aus einem entstandenen Ungleichgewicht wieder ein Gleichgewicht herzustellen.

Es geht nicht darum den Kormoran oder andere Arten auszurotten bzw. an den Rand der Ausrottung zu treiben, wie es gerne von einigen Interessengruppen in z.T. verleumderischer Art und Weise gegenüber der Öffentlichkeit behauptet und propagiert wird.

Es geht darum, sowohl den Kormoran, als auch die Fischbestände und damit die Biodiversität insgesamt zu erhalten und dabei gleichzeitig die traditionelle Nutzung der natürlichen Ressourcen durch den Menschen zu hüten und für nachfolgende Generationen zu bewahren.

Schädlicher Besatz und mangelnde Hege

Auch unvereinbarer Fischbesatz in den Gewässern des Einzugsgebietes sowie mangelhafte Hege kann den Bestand des europäischen Aals schädigen. So werden und wurden Satzaale beispielweise gleichzeitig mit Raubfischen (Zander und Hecht) besetzt. Als ob dies nicht schon bedenklich genug ist, werden diese Raubfische zum Teil auch in wesentlich höheren Stückzahlen (bis zum 10-fachen des Aalbesatzes) eingesetzt. Hier ist der Aalbesatz nichts anderes als Raubfischfutter und bereits kurze Zeit später in den Mäulern der mitbesetzten Raubfische verschwunden. Gleiches gilt für den Aalbesatz in Gewässern mit einem natürlich hohen Raubfischbestand, der in nicht ausreichendem Maße befischt wird.

Am ärgerlichsten ist jedoch der Besatz von Aalen in geschlossene Gewässer und Gewässer die außerhalb des natürlichen Einzugsgebietes liegen. Dieser Besatz ist für den Gesamtbestand des europäischen Aals verloren. Solch atypischer Gewässerbesatz hat nichts mit verantwortungsbewusster und professioneller Gewässerhege zu tun.

Durch Besatz, welcher ohne vorherige Temperaturanpassung vorgenommen oder von erhöhter Position regelrecht ins Gewässer gekippt wird, entstehen erhebliche Ausfälle. Wenn Aalbrut bzw. Satzaale nicht konsequent in kleine Gruppen vereinzelt werden, haben Räuber sehr leichtes Spiel und können in kürzester Zeit den gesamten Aalbesatz vernichten. Auch zu dichter Aalbesatz kann den Bestand insgesamt Schädigen, da die Nahrungskonkurrenz zu hoch sein kann und sich aus den Jungaalen deshalb nur vergleichsweise langsam wachsende Milchner entwickeln.

Mögliche Maßnahmen:

  • striktes Besatzverbot mit Aalen in geschlossene und ungeeignete Gewässer
  • fach – und sachgerechte Durchführung der Besatzmaßnahmen
  • Weiterbildung der Gewässerwarte
  • Besatzlimitierung für Predatoren in Gewässern mit gleichzeitigem Aalbesatz
  • regelmäßiges Hegefische auf Predatoren in Gewässern mit Aalbesatz
  • Hege der Welsbestände und Aufhebung von Schonmaßnahmen
  • Schaffung von Unterschlupfmöglichkeiten in den Gewässern
  • europaweites Verbot von Aal als Köderfisch

 

Querverbauungen (Stauseen, Hochwasserschutzanlagen, Sperrwerke, Schleusen)

Die Beweggründe für die Verbauung unserer Fließgewässer waren und sind gleichermaßen verschiedenartig wie die Art der Querverbauungen selbst. Diese Eingriffe in die Natur haben aber zu jeder Zeit unterschiedlich starke Veränderungen mit zum Teil schwerwiegendsten und unumkehrbaren Folgen für die Fließgewässer und die gesamte Kulturlandschaft geführt. Den geringsten Eingriff in die Gewässerdynamik stellen wohl die mittelalterlichen Wasserräder dar. Diese verlangsamen im günstigsten Fall lediglich die Fließgeschwindigkeit eines Gewässers.

Problematischer wird es, wenn das Gewässer mit Stauhaltungen versehen wird, um eine höhere Energiemenge sowie gewisse Reserven zur Verfügung zu haben. Wenn hier nicht für Wandermöglichkeiten der Fische in beide Richtungen durch Umfluter, Sohlgleiten oder Fischtreppen gesorgt wurde, sind diese Mühlteiche für Wanderfische wie Lachs und Aal nicht mehr passierbar und somit vor dem Hintergrund einer fehlenden natürlichen Reproduktionsmöglichkeit nicht mehr als Lebensraum geeignet sind.

Dies gilt insbesondere für große Stauseen und die entsprechend flussaufwärts liegenden Flussabschnitte. Durch Talsperren, Staudämme oder Staumauern werden Fließgewässer massiv unterbrochen und ganze Täler geflutet. Der Bau von Auf- und Abstiegshilfen ist i.d.R. wegen des hohen technischen Aufwandes und der fehlenden Finanzierung nicht möglich. Der Lebensraum Fluss wird künstlich zu einem Stillgewässer umgebaut deren Bewohner sich oft nicht an den neuen Lebensraum anpassen können.

Jeder Stausee teilt ein Fließgewässer in zwei für Fische unüberwindbare Abschnitte. Oberhalb der Stauung sterben Katadrome und Anadrome Wanderfische wie Lachs und Aal in kürzester Zeit aus.

Für den Lachs sind diese Gewässer auf ganzer Länge verloren, da er die Fließgewässer normalerweise nur durchwandert, sich hier nicht aufhält und durch einen Stausee grundsätzlich von den Laichgründen im Oberlauf abgeschnitten wird.
Der Aal kann lediglich die Abschnitte unterhalb der unterste Staustufe noch als Lebensraum nutzen. Im Oberlauf wird er hingegen mittelfristig ebenfalls aussterben, was derzeit jedoch z.T. noch mit zweifelhaften Besatzmaßnahmen verhindert wird.

Hochwasserschutzanlagen verhindern zumeist das Ein- und Auswandern von Fischen während eines drohenden Hochwassers. Manchmal jedoch auch generell das Einwandern in den Fluss. Diese Gewässer sind jedoch nicht unbedingt als Lebensraum für Wanderfische verloren, da die Einwanderung bei Bedarf mit Besatzmaßnahmen gestützt werden könnte und die Abwanderung nur bei Hochwasser bzw. zeitlich begrenzt verhindert wird. Darüber hinaus können solche Anlagen mit Auf- und Abstiegshilfen ausgestattet werden, was insbesondere bei großen Anlagen wie in Geesthacht (Elbe) der Fall ist.

Ähnliches gilt für Schleusen mit denen unterschiedliche Wasserstände für die Schifffahrt überwunden werden.

Sperrwerke können die Ein- und Abwanderung stark be- und zum Teil auch verhindern. Insbesondere wenn die Absperrung des Gewässers über einen längeren Zeitraum oder regelmäßig z.B. immer bei auflaufendem Wasser erfolgt.

Mögliche Maßnahmen

  • strikte Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie
  • Rückbau von Querverbauungen
  • Besatzverbot von Wanderfischen innerhalb und oberhalb aller Stauseen
  • Bau funktionstüchtiger Auf- und Abstiegshilfen für Wanderfische
  • finanzielle Beteiligung der Kraftwerksbetreiber an Besatzprogrammen
  • höhere Besteuerung des Stroms aus schädigenden Anlagen ohne wirksame Auf- und Abstiegshilfen und geringere Steuern auf entsprechend funktionierende Anlagen
  • Schutz der Aufstiegsanlagen vor Verfolgung durch Kormorane
  • geringere Einspeisevergütungen für Anlagen ohne Wanderhilfen
  • Angelverbot an Querverbauungen (Kochtopffischerei)

 

Wasserkraft

Die Wasserkraft stellt die schädlichste Form der Querverbauung für das Ökosystem Fluss dar. Sie verhindert, ohne Aufstiegshilfen, die Aufwärtswanderung der Fische und tötet darüber hinaus auch noch einen Großteil der abwärts schwimmenden Fische in den Turbinen. In einigen Flüssen sind derart viele Wasserkraftwerke errichtet worden, dass man im Grunde nicht mehr von einem Fließgewässer sprechen kann. Durch die zahlreiche Aufstauung verlangsamt sich der Fluss derart, dass keine Nährstoffe mehr zum Meer hin abtransportiert werden. Eingetragenes Laub, eingespülte Sedimente und Schwebstoffe sowie abgestobene Materialien sammeln sich am Grund des Gewässers und beginnen hier unter Abgabe äußerst Klimaschädlicher Gase (Methan) zu verfaulen, anstatt ins offene Meer abtransportiert und/oder zu Nährstoffen umgewandelt zu werden. Insbesondere Talsperren, die zur Wasserkraftgewinnung errichtet wurden, werden mit ihren großen Stauseen in zunehmenden Maße kritisch auf ihre Umweltfreundlichkeit hin zu überprüfen sein. Veröffentlichte Untersuchungen haben offenbar ergeben, dass im Vergleich zu einem Kohlekraftwerk pro Staudamm ein bis zu 20-fach höherer Ausstoß des Klimakillers Ozon verursacht wird. Oder andersrum ausgedrückt, ein großer Stausee verursacht demnach soviel klimaschädliche Gase wie bis zu 20 Kohlekraftwerke zusammen.

Ein besonders negatives Beispiel zerstörter Flusslandschaft ist der Main mit seinen 36 Staustufen.

Überall dort wo keine Aufstiegshilfen mit entsprechender Lockströmung vorhanden sind, steigen keine Aale und Wanderfische in die nächst höhere Staustufe auf und sterben dort, sowie in allen darüber liegenden Flussabschnitten aus. Leider wurde in der Vergangenheit in verantwortungsloser Weise versucht, dies durch Besatzmaßnahmen mit Aalen zu kaschieren. Aalbesatz in solche Gewässer gilt jedoch als äußerst Bestandsschädigend. Denn ähnlich sieht es auch bei der Abwanderung von Fischen aus diesen Staustufen aus. Hier führt zumeist nur ein Weg zurück ins Meer. Der Weg mitten durch die vielen Turbinen.

Je größer bzw. länger ein Fisch ist, je wahrscheinlicher wird er bei dieser Passage schwer verletzt bzw. getötet. Abwandernde Aale, insbesondere die zur Reproduktion zwingend erforderlichen Weibchen, haben eine Länge bis zu 150 cm. Solche für die Arterhaltung äußerst wertvollen Exemplare werden, wie in verschiedenen Untersuchungen von Universitäten, Wissenschaftlern und Forschern vor Ort nachgewiesen, fast ausnahmslos (90 – 100%) von solchen Wasserkraftturbinen zerhakt. Selbst für viel kleinere Rogner und die Milchner liegt die Mortalitätsrate (Sterblichkeit) je Wasserkraftwerk bei ca. 20-30 %. Es wird sich jeder vorstellen können, was noch an Aalen nach einer Vielzahl solcher Passagen im Meer ankommt.

Behauptungen, dass die toten und verletzten Fische angeblich von Kraftwerksmitarbeitern hinter den Turbinen mittels Rechen aus dem Gewässer gefischt und mit Containern in Tierkörperbeseitigungsanlagen entsorgt werden, um die Öffentlichkeit vom Anblick dieser Schäden auszuschließen und Proteste zu vermeiden konnten bisher nicht bewiesen werden. Immerhin ist es in der Vergangenheit gelungen, einige solcher Fische nach der Turbinenpassage zu fotografieren und von wissenschaftlicher Seite zu Untersuchen. Entsprechende Bilder und Berichte sind zum Teil mehrfach auf einschlägigen Internetseiten publiziert worden, werden aber immer wieder von außenstehenden angezweifelt.

Auf Grund einer essentiell gleichgültigeren Einstellung und Sensibilität hinsichtlich des Umgangs mit der Natur lässt sich jedoch in anderen Ländern, wie die an dieser Stelle veröffentlichten Bilder beweisen, die Wirkung der Wasserkraftturbinen auf abwandernde Aale auch heute noch in aller Öffentlichkeit besichtigen.

Während Natur- und Umweltschutzorganisationen wie BUND, NABU und WWF grundsätzlich gegen einen weiteren Bau von Wasserkraftwerken zu sein scheinen und allenfalls Modernisierungen an bisherigen Standorten zur Verbesserung des Ökosystems befürworten wollen, ist Greenpeace offenbar für eine Förderung des weiteren Ausbaus der Wasserkraft empfänglich. Dies mag auch daran liegen, dass die Organisation selbst in diesem Energiegeschäft mitmischt.

Mögliche Maßnahmen:

  • Bauverbot für Wasserkraftwerke ohne nachgewiesenen nennenswerten Nutzen für die Allgemeinheit (Kleinkraftwerke) und Schaden für das Ökosystem Gewässer
  • Bauverbot für Wasserkraftwerke ohne nachweisbar funktionierende Fischauf- und abstiegshilfen

 

Lebensraumvernichtung durch Gewässerausbau

Durch den skrupellosen Ausbau der Fließgewässer wurden und werden viele naturnahe Lebensräume zugunsten der Transportwirtschaft zerstört. Flüsse heißen dann auch nicht mehr Flüsse sondern werden nur noch als Verkehrswege bezeichnet. Es sei denn, man möchte Touristen anlocken. Dann werden plötzlich Ausdrücke wie „Blaues Band“ oder „Auenlandschaft“ für ein und dasselbe Gewässer bemüht.

Durch den Bau von Buhnen werden die Wassermassen in das Zentrum eines Flusses abgedrängt und es kommt zum leichten Ansteigen des Pegels. Gleichzeitig verschärft sich die Fließgeschwindigkeit aber erheblich. Dadurch treten Erosionen am Gewässergrund auf und die Sedimente werden von der starken Strömung mitgerissen. Der Fluss beginnt sich quasi selbst einzugraben und damit auch zu vertiefen. Es kommt zur Verlandung bzw. Trockenlegung Artenreicher Uferregionen und Auen.

Mit steigender Fließgeschwindigkeit erhöht sich auch die Überschwemmungsgefahr, wenn es an bestimmten Abschnitten zu Engpässen wegen geringerer Abfluss- oder Ausweichmöglichkeiten kommt. Dies ist in der Regeln innerhalb von Städten und bei naturnah mäandrierenden Flussabschnitten der Fall.

Durch das abtragen des Sediments werden die Gewässer Strukturlos und lassen keine Möglichkeiten für die Ansiedlung von Pflanzen und Tieren im Strömungsbereich. Die meisten sind gezwungen sich auf die entstehenden Stillwasserbereiche in den Buhnenfeldern zurückzuziehen soweit hier nicht ebenfalls eine starke Strömung (Rückströmung) vorherrscht. Stellenweise verschwinden Ruhezonen für Fische vollständig.

Wanderfische müssen sich zur Wanderung jedoch in die scharfe Strömung begeben. Lachse mögen vielleicht kräftig genug sein, dass zumindest theoretisch einem Teil der Aufstiegt bis zu möglichen renaturierten Laichgründen gelingen könnte.

Für kleine aufsteigende Glasaale sieht es erheblich schlechter aus. Würde nicht auch hier, in den natürlichen Einzugsgewässern, unterstützend eingegriffen, gäbe es in weiten Teilen der großen Ströme keine Aale mehr.

Ein weiteres Problem dieser Gewässerregulierung ist das verlanden der Flussmündungen. Hier verringert sich durch die Verbreiterung zum Meer hin schlagartig die Fließgeschwindigkeit. Dadurch sinken die zuvor aus dem Binnenland mitgerissenen Sedimente zum Grund und es kommt zur Bildung von Untiefen, die für die Schiffart und das Gewässer gefährlich werden können.

Mögliche Maßnahmen:

  • Ausbaustop für bereits verbaute Flüsse
  • Ausbauverbot für die letzten noch vorhandenen naturnahen Flüsse
  • Renaturierung bereits ausgebauter Flüsse
  • Gewässermaut nach Transportgewicht, Energieverbrauch, CO2 – Ausstoß u.ä.

 

Störungen des Magnetfeldes der Erde durch elektromagnetische Wellen (Überseekabel, Offshore-Windparks, …)

Mögliche Maßnahmen:

  • Abschirmung aller Kabel gegen elektromagnetische Wellen
  • Größere Abstände zwischen den einzelnen Anlagen

 

Verschmutzung der Gewässer mit Chemikalien

Die Wasserqualität der Flüsse hat sich insbesondere in den östlichen Ländern in den letzten Jahren stetig weiter verbessert. So lauteten zumindest die Meldungen der Presse in den vergangenen Jahren. Dabei ist oft von sauberem Wasser die Rede.

Leider wird sauberes Wasser in diesem Zusammenhang aber von den meisten Menschen mit Trinkwasser oder klarem Wasser verwechselt bzw. gleichgestellt.

Und so kommt es, dass die Gewässer zwar immer sauberer aber gleichzeitig immer lebensfeindlicher werden, weil die Nährstoffe als Grundlage für Artenreichtum nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.

Durch den Ausbau der Gewässer sind bereits viele Lebensräume ausgewaschen und zerstört worden, sodass sich echte natürliche Artenvielfalt nur noch auf die letzten Rest naturnaher Gewässer beschränkt. Jedoch werden auch diese Reste vielerorts durch den Einfluss von Lobbyisten auf die Politik bedroht.

Flüsse sind in erster Linie natürlicher Lebensraum. Hier und heute braucht niemand mehr aus Flüssen zu trinken. Wer es dennoch tut, riskiert auch im natürlichsten Fluss zumindest ein paar Wasserläuse und ähnlich kleine Wasserbewohner zu schlucken. Denn Artenvielfalt ist auch ein Kriterium für gute Wasserqualität.

Hingegen sagt klares Wasser überhaupt nichts über die Wasserqualität aus. Denn die im Wasser gelösten chemischen Stoffe kann man nur selten sehen. Reine Salzsäure ist genauso klar wie ein Glas Wasser. Die trübste Brühe kann also chemisch gesehen „sauberer“ sein, als ein glasklar dahinplätschernder Gebirgsbach.

Die Gewässerverschmutzung durch Unrat stellt für den Aal ein eher geringeres Problem dar. Er nutzt solche ins Wasser geworfenen Gegenstände z.T. sogar bevorzugt als Unterschlupf.

Größere Probleme hat der Aal bereits mit der Einleitung ungeklärter und verunreinigter Schmutzwasser aus Industrie und Landwirtschaft. Wenn ein Aal die Möglichkeit hat, verlässt er bei solchen Vorfällen kurzzeitig das Gewässer bis die entsprechende Schmutzwasserwelle vorbeigezogen ist, wenn er die Gelegenheit dazu hat. Alle anderen Fischarten überleben schwere Vorfälle dieser Art jedoch nur selten.

Die größten Probleme bereiten die Chemie- und Schiffsunfälle bei denen giftige und/oder schwer Abbaubare Langzeit-Schadstoffe (POPs) in großen Mengen in die Gewässer gelangen konnten bzw. können.

Zu den schädlichsten dieser Stoffe gehören:

PFTs: (Perflurierte Tenside) Aale in Elbe, Main, Rhein und Weser sind lt. einer britischen Studie derart stark mit diesen Krebserregenden Stoffen belastet, dass von einem Verzehr abgeraten wird. In dieser Europaweiten Studie wies eine Probe aus der Elbe die höchste Belastung mit Perflurierten Tensiden auf. PFTs gelangen hauptsächlich über die Landwirtschaft in die Gewässer. Hier werden Industrie- und sonstige Klärschlämme als Dünger auf die Felder gebracht. Diese Schlämme sind zwar geklärt, aber PFTs werden dabei nicht herausgefiltert und landen so auf den Äckern und mit dem Regenwasser in die Gewässer. Dort werden sie von Pflanzen aufgenommen und gelangen so in die Nahrungskette. Studien belegen, dass diese Stoffe in vielen deutschen Lebensmitteln wie Kartoffeln, Fleisch, Fisch enthalten sind. Von der EU wurden Herstellungsverbote für einige PFTs ausgesprochen und Grenzwerte für Lebensmittel vorgegeben, die jedoch bei einigen Produkten um ein vielfaches überschritten werden. Die noch erlaubten PFTs werden vorrangig zur Herstellung atmungsaktiver Kleidung und für wasser-, fett- und schmutzabweisende Oberflächen verwendet.

PCBs: (Polychlorierte Biphenyle) Eine weitere entsprechende Studie untersuchte Aalproben auf Rückstände von bromierten Flammschutzmitteln und PCBs. Alle untersuchten Proben waren mit mindestens einem der Stoffe belastet. Diese Stoffe können insbesondere bei Kindern Verhaltensstörungen und Lernschwierigkeiten hervorrufen. Zudem gelten sie als Auslöser für Krebs. Obwohl sie weltweit seit den 80er Jahren verboten sind, tauchen bis heute überall in der Umwelt auf. Das liegt an ihrer Langlebigkeit und an ihrer sehr weiten Verbreitung in den damaligen Produkten. In sehr vielen Kunstoffen, Lacken, Dichtungs- und Isoliermitteln aber auch in Elektronikteilen wie Kondensatoren und Transformatoren wurden diese Stoffe damals verwendet.

DDT: (Dichlordiphenyltrichlorethan) ist ein Giftstoff, welcher wegen seiner hohen Wirkung gegenüber Insekten und der vergleichbar geringen Auswirkungen auf andere Tiere seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts eingesetzt wurde und in Teilen der Welt auch heute noch eingesetzt wird, soweit der Einsatz zum Schutz des Menschen unabdingbar ist (z.B. Malariabekämpfung). DDT steht im Verdacht beim Menschen Krebs auszulösen und führt zu hormonellen Veränderungen, da es wie das weibliche Hormon Östrogen auf den Körper wirkt. Ob sich DDT auch auf die Spermienanzahl beim Menschen auswirkt ist nicht bewiesen. Es ist jedoch bewiesen, dass DDT Auswirkungen auf die Reproduktionsfähigkeit von Tieren hat. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch diese Gifte, die sich im Fettgewebe einlagern, die Sterblichkeit der Aallarven von belasteten Aalen erhöht wird. Darüber hinaus könnte der Fortpflanzungs- und damit auch der Wandertrieb von Milchnern beeinträchtigt werden. Da sich DDT jedoch in der Natur zersetzt, verliert diese Art der Verschmutzung im Verlaufe der Zeit an Bedeutung. In Deutschland wurde DDT zuletzt Anfang der 90er Jahre legal eingesetzt. Bis zum Jahr 2015 dürfte sich auch diese Gifte aufgelöst haben.

TBT: Tributylzinnhydrid ist eine synthetisch hergestellte farblose und äußerst giftige Flüssigkeit. Sie wird in den Chemischen Industrie für verschiedene Verfahrensabläufe eingesetzt. Wegen seiner tödlichen Wirkung gegenüber Muscheln und Algen wurde es Jahrzehnte in Schiffanstrichen verwendet. Organismen die sich am Schiffrumpf festzusetzen versuchten wurden vergiftet und dadurch gelangte dieses Gift in die Nahrungskette. Erst seit 2003 ist die Verwendung dieses Giftes in Schiffsfarben international verboten. Da es aber noch für den Textildruck im Outdoor-Bereich verwendet wird, ist nicht ausgeschlossen, dass auch billige Angelbekleidung mit diesem Stoff belastet sein könnte. Darüber hinaus ist das Gift wohl auch in den gedruckten 10 – Euro Scheinen enthalten.

TBT wirkt sich wie DDT auf den Hormonhaushalt von Tieren aus. In Gewässern mit hoher TBT – Belastung (durch regen Schiffsverkehr) kommt es zur Bildung sogenannter Imposexe unter den Fischen. Rognern bekommen durch die Belastung Geschlechtsmerkmale von Milchnern und werden dadurch Fortpflanzungsunfähig. Es soll Fischarten geben, bei dehnen bis zu 90 % der Weibchen männliche Geschlechtorgane gebildet haben und dadurch diese Art vom Aussterben bedroht ist. Da Aale sich auch in den Flussmündungen aufhalten bzw. diese passieren müssen, um auf- bzw. abzusteigen und in diesen Mündungen fast immer ein großer Hafen mit regen Schiffsverkehr liegt, ist es nur Verständlich das auch Aale, soweit sie hier Nahrung aufnehmen (belastete Muscheln und andere algenfressende Tiere), ebenfalls mit diesem Stoff belastet sind. Über die tatsächliche Höhe und die Auswirkungen dieser Belastung auf den Aal ist jedoch kaum etwas bekannt.

DEHP: Diethylhexylphthalat ist ein Weichmacher für Kunststoffe der als Fruchtschädigend und Fruchtbarkeitsschädigend eingestuft wird. Innerhalb der EU konnte sich jedoch noch kein absolutes Verbot durchsetzen. Es gibt lediglich ein sich ständig verlängerndes Verbot für den Einsatz in Kinderspielzeug. Beim Kauf von Produkten sollte auf den Hinweis „Frei von Weichmachern“ geachtet werden.

Da im Bereich des Angelsports Produkte verwendet werden, die ebenfalls Weichmacher enthalten und keinen entsprechenden Hinweis tragen, ist es nicht unbedenklich solche Produkte tatsächlich im Gewässer einzusetzen und zurückzulassen. Zwar sind durch den Einsatz solcher Gummiköder vorrangig größere Raubfische betroffen, sollten diese jedoch verenden könnte auch die Fruchtbarkeit der Aale indirekt über die Nahrungskette beeinflusst werden. Hierzu, sowie zu den in Kunstködern enthaltenen Schadstoffen, gibt es offenbar noch keine offiziellen Untersuchungen.

PCDD/PCDF: Dioxine sind sehr langlebige und giftige chlorierte organische Verbindungen, die sich in lebenden Organismen ansammeln. Das sogenannte Sevesodioxin gilt als giftigster vom Menschen hergestellter Stoff aller Zeiten. Bei Unfällen freigesetzte Dioxine haben weltweit mehrfach zu Massensterben von Menschen und Tieren geführt. Dioxinbelastung führt zu einer allgemein geringeren Lebenserwartung und kann bereits in sehr geringen Mengen Krebs und Diabetes auslösen. Dioxine werden nicht speziell hergestellt und es gibt auch keine Verwendung. Sie entstanden vor allem bei der Verbrennung von organischen und anorganischen Stoffen in Müllverbrennungsanlagen und Krematorien. Dort wo es keine entsprechende Vorschriften über Grenzwerte gibt, ist dies auch heute noch der Fall. Gleiches gilt für Länder in dehnen noch bleihaltige Kraftstoffe verwendet werden. Bei der Verbrennung dieser Kraftstoffe entstehen ebenfalls Dioxine.

In heutiger Zeit wird Dioxin zudem bei der Eisen- und Stahlherstellung, in der Papierindustrie (Bleichmittel) sowie durch private Kamine freigesetzt. Letzteres gilt inzwischen als größte Dioxinquelle weltweit. Bei der illegalen Verbrennung von nur 1 Kg Abfall (z. B. im Garten oder im Kaminofen) entsteht soviel Dioxin wie bei der Verbrennung von 10 Tonnen Abfall in einer modernen Müllverbrennungsanlage.

Lokal können Chemieunfälle bei dehnen Dioxin frei wird die Zerstörung ganzer Lebensräume für Jahrzehnte verursachen. So auch beim Chemieunfall Sandoz, wo erhebliche Mengen an Dioxin in den Rhein gelangten und das Gewässer bis heute durch Einlagerungen im Sediment verseuchten. In den betroffenen Abschnitten, wird bis heute vor dem Verzehr von Aalen wegen der hohen Dioxinbelastung gewarnt. Da Aale jedoch Wanderfische sind, ist es fraglich warum nicht der gesamte Aalbestand im Rhein als gesundheitsschädlich für den Menschen eingestuft wurde bzw. wird. Schließlich kein durch das Sediment in seiner Fressfase belasteter Aal auch erst bei der Abwanderung im Mündungsbereich gefangen werden.

Dioxine gelangen bei ihrer Entstehung zunächst in die Atmosphäre. Sie sind dabei oft an Staubpartikel gebunden an dehnen sich Kondenströpfchen festsetzen und somit die Grundlage für Niederschläge bilden. Mit dem Regen und dem Wind gelangen die Schadstoffe auch in den entlegendsten Winkel der Erde aber vor allem in steigender Konzentration in die Gewässer.

Zusätzlich werden die Gewässer mit Dioxin durch Abwassereinleitungen belastet. Darüber hinaus gelangten Dioxine durch das Ausbringen von Klärschlamm und Pflanzenschutzmitteln auf Äcker und Wiesen landwirtschaftlicher Betriebe in die Umwelt.

Fortsetzung folgt

Schwermetalle Da unter der Bezeichnung Schwermetalle in der Öffentlichkeit überwiegend Metalle mit einer toxischen Wirkung verstanden werden, soll hier auch nicht weiter auf diesen missverständlichen Sammelbegriff eingegangen werden und stattdessen auf die relevanten Metalle und ihre Wirkungen werden.

1. Quecksilber und Quecksilberverbindungen

Quecksilber und Quecksilberverbindungen werden in vielen verschiedenen Produkten eingesetzt. Hierzu gehören Thermometer (ab 03.04.2009 in Europa verboten), Elektroschalter, Leuchtstoffröhren, Schwarzlicht- und Energiesparlampen, Desinfektions- und Beizmittel sowie Knopfzellen und alte Batterien. Des weiteren wird Quecksilber in der Heilkunde, Zahnmedizin (Amalgam), bei der Zementherstellung und bei der Goldgewinnung (Goldwäsche) eingesetzt. In der Vergangenheit wurde Quecksilber auch zur Wasseraufbereitung, in Holzschutz- und Imprägniermitteln sowie in Farben für Schiffsanstriche verwendet. Es sind vor allem die Dämpfe und die verschiedenen Quecksilberverbindungen die bei Mensch und Tier Vergiftungserscheinungen auslösen. In die Gewässer und damit in die Nahrungskette gelangte Quecksilber durch die Verwendung von gebeiztem Saatgut in der Landwirtschaft, durch Schiffsanstriche, durch Auswaschungen (-spülungen) in Bergwerken und Tagebauen sowie durch Einleitung ungeklärter Abwässer. Kohlekraftwerke verursachen weltweit das freiwerden (verdampfen) von über 2000 Tonnen Quecksilber in die Atmosphäre. Wie viel davon mit dem Regen (Deposition) wieder herunterkommt ist nicht bekannt. In der Nahrungskette verursachten mit Quecksilber belastete Fische bei schwangeren Frauen schwere Missbildungen bei den Neugeborenen.

Es ist anzunehmen, dass mit der Einstellung der Nahrungsaufnahme beim abwandernden Blankaal die für die Wanderung und Bildung der Geschlechtsorgane erforderliche Energie aus den über Jahre hinweg aufgebauten Fettreserven gewonnen wird.

Beim Abbau dieser Fettreserven werden die in den Zellen über Jahre eingelagerten Langzeitschadstoffe wie Quecksilber in kurzer Zeit wieder freigesetzt und führen bei stark belasteten Aalen zu Vergiftungserscheinungen. Die Folgen reichen vom Abfallen des Wander- und Fortpflanzungstriebes über nicht überlebensfähige Aallarven (Fruchtschädigung) bis hin zur völligen Unfruchtbarkeit.

2. Cadmium

Cadmium ist schon in geringen Konzentrationen sehr giftig. Es wirkt nachweislich krebserregend sowie erbgut- und fruchtschädigend und lagert sich in Niere und Leber ab. Es entsteht bei der Verhüttung von Zink, Blei und Kupfer. Es kommt aber auch in Düngemitteln und Pestiziden vor. Verwendet wurde dieses Nebenprodukt für Nickel-Cadmium-Akkus, in roten Lackfarben, in Rostschutzmitteln und für Edelmetalllegierungen.

In der Nahrungskette verursacht eine schädliche Menge an Cadmiumsalzen Erbrechen und Krämpfe. Chronische Vergiftungen mit Cadmium führen zu Leberschäden, Knochenmarksschäden, schweren Skelettveränderungen, Blutarmut, Gelbfärbung der Zahnhälse und Verlust des Geruchs- bzw. Geschmackssinns. Raucher haben etwa die doppelte Menge Kadmium im Körper als Nichtraucher. Inwieweit Aale durch Cadmiumbelastung ihren Geruchsinn verlieren können, ist ungeklärt.

3. Blei

Blei zählt zu den kumulativen chronischen Giften. Es sammelt sich in Knochen, Zähnen und im Gehirn an. In der Folge zeigen sich Konzentrations- und Lernstörungen sowie eine herabgesetzte Intelligenz und Immunabwehr. Insbesondere die Gesundheit von Kindern ist durch Blei in der Nahrungskette gefährdet. Blei gelangt auf verschiedensten Wegen in die Umwelt. Während dies noch vor wenigen Jahren indirekt über bleihaltige Kraftstoffe und Bleihaltige Trinkwasserleitungen geschah, gelangen heute bleihaltige Stoffe oft auf direktem Wege in die Umwelt.

So z. B. beim verlieren von Auswuchtbleien oder beim Einsatz von Blei in der Angelfischerei. Durch sorglose Angelfischerei gelangt in der heutigen Zeit eine unverantwortlich hohe Menge dieses giftigen Schwermetalls in die Gewässer und die Nahrungskette. Dabei gibt es sinnvolle, umweltschonende sowie praxistaugliche Alternativen zum Einsatz von Angelblei. Blei wirkt sich wohl auch auf das Immunsystem des Aals aus. Durch eine Bleibelastung dürfte ein Aal grundsätzlich anfälliger für Krankheiten, Parasiten und Seuchen sein, was wiederum zu einer erhöhten Mortalitäts- und somit zu einer verminderten Fortpflanzungsrate führt .

Mögliche Maßnahmen:

  • Verwendung und korrekte Entsorgung von Akkus
  • Verzicht auf herkömmliche Batterien und langfristiges Verbot
  • Korrekte Entsorgung von Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren
  • Energiesparen und Einsatz von alternativen umweltschonenden Energiequellen
  • Mittelfristiges Verbot von Angelblei als Angelgewicht
  • Einsatz alternativer, möglichst umweltneutraler Angelgewichte

 

Parasiten ( z.B.Schwimmblasenwurm)

Durch die Globalisierung und den biologisch unkontrollierten Handel und Transport von Waren und Tieren über viele Tausende Kilometer hinweg werden immer neue Parasiten in Gebiete eingeschleppt, in dehnen sie nie zuvor vordringen konnten. Dadurch sind ganze Tierarten und auch der Mensch immer neuen Gefahren ausgesetzt. Für einige Tierarten und Ökosysteme werden diese fremden Parasiten zur ernsthaften Bedrohung. Der Aal hat sich im laufe der Evolution an einer handvoll Parasiten gewöhnen können und diese bis heute überlebt. Derzeit kommen durch die Globalisierung aber extrem viele und unterschiedliche neue Parasiten hinzu. Zudem wird ihr überleben durch den Klimawandel immer einfacher. Seit der Jahrtausendwende wurde alle 2 Jahre ein neuer Aalparasit in Europa eingeschleppt und die Wissenschaft hat keine Antwort auf die Frage wie das alles weitergehen wird bzw. wo es endet.

Der wohl bekannteste Parasit ist der Schwimmblasenwurm Anguillicola crassus, der durch Import von lebenden Aalen aus Taiwan Anfang der 1980er Jahre in die Weser eingeschleppt wurde. Innerhalb von nur 2 Jahrzehnten breitete sich der Fadenwurm in ganz Europa aus und befiel den europäischen Aalbestand mit verheerenden Folgen.

Dieser Nematode wird im europäischen Aal etwa doppelt so groß wie in seinem ursprünglichen Wirt, der im übrigen mit dem Wurm zurechtkommt. Insgesamt sind durchschnittlich über 70 % des Aalbestandes von diesem Wurm befallen. Regional können jedoch bis zu 90 % des Bestandes (Brandenburg) befallen sein. Bei wiederum ca. 70 % der befallenen Aale richtet der Wurm einen messbaren Schaden an den Schwimmblasenwänden an und bei ca. 10 % der Aale schädigt er die Schwimmblasenwände derart, das sie den Atlantik definitiv nicht mehr überqueren könnten um abzulaichen. Führende Parasitologen sind der Ansicht, dass der Aalbestand auf Grund seines Parasitenbefalls trotz getroffener EU Maßnahmen in naher Zukunft aussterben wird.

Schwimmblasenwürmer vermehren sich innerhalb der Schwimmblase durch Eiablage. Bevor das bis zu 4,5 cm lange Weibchen (größter Wurm in der Schwimmblase) stirbt, legt es bis zu 10.000 Eier in der Schwimmblase ab. Diese werden über eine Verbindung zum Darmtrakt ausgeschieden.

Um sich auszubreiten benötigt der Schwimmblasenwurm jedoch einen Zwischenwirt. Dieser ist als Copüepode (Ruderfußkrebs oder Hüpferling) in allen europäischen Gewässern vorhanden. Sobald ein Hüpferling die Larven des Wurms frisst ist er in der Nahrungskette die für den Aal gefährlich ist. Wird ein befallener Hüpferling von einem Aal gefressen befällt den Aal die Larve direkt. Wird ein befallener Hüpferling von einen anderen Tier gefressen, z.B. Jungfische, Kleinfische, Schnecken, Insekten, … verfällt die Larve in diesem Stapelwirt in ein Ruhestadium. Sobald jedoch ein entsprechender Stapelwirt vom Aal gefressen wird, reaktiviert sich die Larve und befällt den Aal auch auf diesem Wege.

Mögliche Maßnahmen:

  • Erhöhung der Finanzmittel für die Forschung, wie seit von Parasitologen gefordert
  • Vernichtung oder genetische Immunisierung und anschließender Ersatz der Zwischenwirte. Utopisch und sehr Fraglich???

 

Krankheiten (z.B. Blumenkohlkrankheit)

Die Blumenkohlkrankheit ist eine Tumorerkrankung des Aals. Sie wird vermutlich durch starke Gewässerschmutzung ausgelöst und ist an blumenkohlartigen blassrosafarbenen Geschwüren überwiegend im Maulbereich von Aalen leicht zu Erkennen. Obwohl diese Geschwüre nicht bösartig sind, können sie einen Aal töten. Denn ohne Behandlung wachsen diese Geschwüre solange, bis der Aal keine Nahrung mehr aufnehmen kann und letztlich verhungert. Am häufigsten kommt diese Krankheit bei jungen Aalen (bis 20 cm) vor und in Flussmündungen vor. In der Elbe waren zeitweise bis zu 5 % der Aale erkrankt.

Mögliche Maßnahmen:

  • Aufrechterhaltung und weitere Verbesserung der biologischen Wasserqualität

 

Seuchen (Aalrotseuche)

Seuchen sind definitionsgemäß stark ansteckende und epidemieartige Krankheiten innerhalb einer Population. Da die Aalrotseuche eine durch Bakterien ausgelöste Krankheit ist und eine Ansteckung bzw. Übertragung von einem Tier auf ein anderes Tier nicht möglich ist, handelt es sich im Grunde also nicht wirklich um eine Seuche. Da diese Krankheit jedoch ausschließlich den Aal befällt und dies in der Regel gleich massenweise, wird hier dennoch der Begriff verwendet. Die Aalrotseuche wird gelegentlich auch als Süßwasseraalseuche u.ä. bezeichnet. Die Bakterien stammen aus der Familie der Pseumonaden und Aeromonaden (z.B. Aeromonas punctata) und sind in allen Gewässern für den Abbau organischer Substanzen zuständig und kommen auch in allen natürlichen Gewässern zu jeder Zeit vor. Erst bei Wassertemperaturen von über 24 °C kommt es zu einer explosionsartigen Vermehrung dieser Bakterien und bei gleichzeitig stark abfallenden Sauerstoffgehalt zum Ausbruch der Krankheit. Da die Bakterienkonzentration in Grundnähe am höchsten ist und gleichzeitig durch den ringen Sauerstoffgehalt vermehrt Stresshormone ausgeschüttet werden, sind die in Grundnähe lebenden Aale für diese Krankheit sehr anfällig.

Insbesondere bei lange anhaltenden Hitzeperioden und in kleineren Stillgewässern ohne Abwanderungsmöglichkeit kommt es häufig zu sommerlichen Massensterben der Aale. Verdächtig sind alle langsam und träge schwimmenden Aale. Zeichen der Rotseuche sind anfangs rote Punkte im Maul- oder Bauchbereich und später größere rote Flächen (daher der Name), mit Fortschreiten der Krankheit löst sich dann die Haut ab und es entstehen große Löcher im Tierkörper, welche mit Geschwüren umrandet sein können. Diese werden durch das eindringen der Bakterien in die Aalhaut verursacht. Unter normalen Bedingungen schützt die schleimige Aalhaut die Fische sehr gut gegen solche äußeren Einflüsse. Bei großer Hitze und Sauerstoffmangel wird die Schleimschicht der Aale jedoch sehr stark geschädigt. Dadurch gelangen die Bakterien in tiefere Schichten der Aalhaut und beginnen auch dort mit dem Abbau der organischen Substanzen, wofür sie schließlich im Wasser allgemein zuständig sind. Die Bakterien können also nicht zwischen lebenden und toten organischen Substanzen unterscheiden und bauen alle entsprechenden Stoffe ab, mit dehnen sie in Kontakt geraten. Im späteren Verlauf der Krankheit löst sich die Haut ab und die Aale treiben auffällig gekrümmt an der Oberfläche bevor sie sterben.

Eine Behandlung der Aale ist unmöglich. Es gibt keine Therapie und wohl auch keine Forschung auf diesem Gebiet. Tote Aale sollten schnellstmöglich aus dem Gewässer entfernt werden. Die Krankheit selbst ist zwar nicht ansteckend für andere Fische oder den Menschen, aber die toten Aale stellen Infektionsherde dar. Die Bakterien sterben bei Temperaturen über 60 °C ab, was den Verzehr nicht erkannter aber doch infizierter Fische unbedenklich macht. Normalerweise sind durch die Seuche meist ohnehin geschwächte Tiere betroffen. Da in einigen Gebieten aber bis zu 90% der Bestände mit dem Schwimmblasenwurm befallen sind, fällt das Aalsterben bei hohen Temperaturen schnell in der gleichen Größenordnung aus. Regional begrenzt kommt es in fast jedem Jahr zu einem Fischsterben. In heißen und langen Sommern (1976, 1991 und 2003) fielen die Aalsterben extrem stark aus.

Mögliche Maßnahmen:

  • Sauerstoffzufuhr bei starkem Sauerstoffmangel und hohen Temperaturen
  • Besatzverbot für Gewässer ohne Abwanderungs- bzw. Fluchtmöglichkeit
  • Umsiedlung von Aalbeständen aus gefährdeten Gewässern in geeignetere Gewässer
  • Schnellstmögliches entfernen toter Aale aus betroffenen Gewässern, da sie als Infektionsherde für andere Fische gefährlich werden können
 

Ein Kommentar

  1. Kommentar zum Kormoran: Ich persönlich denke, dass dieses Thema hier nicht richtig dargestellt wird. Die Kormorane sind keine “Gefährdung der Biodiversität” – nein, wir Menschen sind es.
    Die Nahrung des Kormorans richtet sich nach dem Angebot. Wenn es also heißt, die Nahrung des Kormorans bestünde zu 2% aus Aalen, so gilt dies für diese Untersuchung in diesem Gebiet. Bei diesem Wert (gilt für Holstein in etwa) muss man bedenken, dass nur in jeden 20 Kotballen Aalreste gefunden wurden. Was wohl wichtiger ist: Der Kormoran dreht seine Beute schnell und schluckt sie direkt, meist noch unter Wasser (daher der Ring um den Hals bei den asiatischen Kormoranfischern). Beim Aal scheint das nicht so gut zu klappen… Also sehen immer wieder Menschen Kormorane auf einem Ast sitzen, die einen Aal im Schnabel haben. Ich denke die sind dann schwer verweifelt… Kann ich nachvollziehen… schwer zu handeln, die Biester.
    Kormorane sind nicht etwa ein neues Phänomen. Es ist heute unstrittig, dass der Kormoran in Deutschland heimisch ist. Es gab riesige Kormorankolonien, die noch nicht ihre alte Größe zurückerlangt haben. Über die Jahrhunderte gab es also gute Kormoranbestände UND Aalbestände – bis der Mensch sich der Sache angenommen hat und den Kormoran bei uns als “Konkurrenten” nahezu ausgerottet hat… Als Naturfreund erfreuen mich Dinge, wie Vogelkolonien – und natürlich bringen diese Probleme wie Kot mit sich. Dies alles unterliegt einer natürlichen Regulierung. Die Untersuchungen zeigen eines deutlich: Die Menge, die ein Kormoran an Aalen frisst, kann keine Bestandsgefährdung auslösen. Der Kormoran ist ein echter wirtschaftlicher Faktor – aber nur in der naturfernen Fischzucht mit großer Individuendichte; vorallem in der Aufzucht. Danach sinkt seine wirtschaftliche Bedeutung: An sich frisst der Kormoran die ‘Weißfisch’schwärme, keine Speisefische. Ein tolles Spektakel. Den Fischzüchtern geht es aber nur um eines: ihr Geld. (Verständlicherweise, wenn man davon lebt!) Der Aal ist der teuerste Fisch, die Fänge gehen zurück. Dabei isst doch heute kaum noch wer Fisch aus unseren heimischen Binnengewässern. Der Kormoran hat ein älteres und stärkeres Recht als ich, als Aalangler. Oder vielleicht haben wir das gleiche Recht. Eines ist klar: Ich richte größeren Schaden an: im letzten Monat habe ich sieben Aale getötet (und sehr genossen…) Wenn man mir dies verbietet und den Aal unter Schutz stellt, wäre ich traurig , aber einverstanden. Wir wollen nicht vergessen, der Europ. Flussaal inzwischen international als “vom Aussterben bedroht” gilt. Der Kormoran darf weiter machen: Je weniger Aale es gibt, desto weniger erbeutet er. Bis es wieder mehr werden. Doch im Ganzen erscheint das Augenwischerei: Der Glasaalsalat ist in Europa nicht verboten, sondern eine Delikatesse. Die laichbereiten Blankaale werden geräuchert. Und die letzten Babyaale die man vor der Küste fängt gehen nach Japan in Masten. Da liegen die Probleme – nicht beim Kormoran. Für mich ist der Kormoran ein Kumpel: Wir sind Fischer und teilen dasselbe Schicksal…

     

Schreibe einen Kommentar

WordPress spam blockiert CleanTalk.