Gelbaale (Entwurf)

Nach dem Ende des Glasaalstadiums und der vollständigen Pigmentierung der Jungaale beginnt das Gelbaalstadium. Ähnlich wie bei den Glasaalen lehnt sich die Bezeichnung des Stadiums und der Aale dieser Entwicklungsstufe an das äußere Erscheinungsbild der Aale an, welche Aufgrund der zu meist gelblichen Färbung der Bauchseite als Gelbaale bezeichnet werden. Infolge regional unterschiedlicher Umweltbedingungen kann es auch andere Farbvarianten und davon abgeleitete Bezeichnungen geben. So werden solche Aale lokal begrenzt auch als Grün-, Braun- oder Grauaale bezeichnet. Diese Farbvarianten weisen jedoch bei gleicher Länge regelmäßig geringere Stückgewichte auf als die gelb gefärbten Exemplare. Auch in England und Frankreich kennt man die Bezeichnung Gelbaale. Unter Grünaalen wird dort jedoch nicht die Farbgebung sondern die Eigenschaft „unreif“ verstanden. Der Rücken ist bei Gelbaalen meist dunkelgrün bis dunkelgrau z.T. auch schwarz gefärbt. Früher kannte man diese Aale auch unter dem Namen „Sommeraale“, da sie fast ausschließlich im Sommer gefangen wurden.

Das Gelbaalstadium dient dem Aal zur Vorbereitung auf die lange Wanderung zur Fortpflanzung in der Sargassosee. Je nach Nahrungsangebot, Bestandsdichte und klimatischen Verhältnissen ist von Gewässer zu Gewässer eine unterschiedlich lange Vorbereitungszeit erforderlich. In unseren Breiten werden die notwendigen Fettreserven oft zwischen dem 3. und 15. Lebensjahr des Aales angefressen. Ohne einen solchen Energiespeicher wäre der enorme Kraftakt der Laichwanderung für den Aal nicht möglich. Im Zusammenhang mit dieser Besonderheit wird das Gelbaalstadium oft auch als Fressaalstadium charakterisiert.

Gelbaale im Netz

Gelbaale im Netz

Überall wo Jungaale nicht durch Wasserbauwerke behindert werden, steigt die Mehrzahl der Tiere zur Nahrungsaufnahme in die Fließgewässer auf. Die Rogner dringen dabei erheblich weiter in das Binnenland hinein als die Milchner. Letztere verbleiben z.T. sogar in den Küstenbereichen der Nord- und Ostsee sowie im Brackwasser der Flussmündungen. Während sie hier nur Gewichte um die 200 g und Längen um 50 cm erreichen, bringen es die Weibchen in nahrungsreichen Binnengewässern auf 4 bis 6 Kg und Längen bis 160 cm.

Die Nahrungspalette der Aale kennzeichnet sie als Allesfresser. In der kalten Jahreszeit stellt der Aal die Nahrungsaufnahme jedoch nahezu vollständig ein. Der Stoffwechsel läuft auf Grund der geringen Wassertemperaturen auf Sparflamme und macht den Aal nahezu bewegungsunfähig. Allenfalls direkt am Maul vorbeischwimmende Nahrung wird noch aufgenommen. Hierdurch kommt es jährlich wiederkehrend zu einer deutlichen Abmagerung der Tiere und damit verbunden zu einem insgesamt vergleichsweise geringem jährlichen Wachstum. Es ist auch zu berücksichtigen, dass Aale zwar schon im März wieder aktiv werden, aber bis zum Juni benötigen, um ihre Gewichtsverluste wieder aufzufüllen. Auf längere Sicht kann der Aal jedoch eine ausreichende Fettreserve anlegen. Hierbei hilft ihm eine umfassende Nahrungspalette aus der sich der Aal zu bedienen weiß. Weiterführende Informationen hierzu sind im Bereich Nahrung zu finden.

Findet der Jungaal bei seinem Aufstiegt in die Gewässersysteme einen besonders nahrungsreichen Gewässerabschnitt, der darüber hinaus gute Unterschlupfmöglichkeiten und ansonsten gute Lebensbedingungen bietet, beendet er seinen weiteren aufstiegt und wird weitestgehend Standorttreu. Die allnächtliche Nahrungssuche kann ihn aber durchaus auch mal mehrere Kilometer vom gewählten Unterschlupf wegführen. Diesen Unterschlupf teilt sich der Aal zumeist mit mehreren Artgenossen. Sein Gesellschaftsbedürfnis zeigt sich sehr deutlich in Aquarien. Trotzdem einer Gruppe von Aalen mehrere Röhren o.ä. als Unterschlupf angeboten werden, schauen alle Aale dicht gedrängt aus einer einzigen Röhre heraus, während die anderen Verstecke leer bleiben. Es gibt sehr viele Fischarten, die in Gefangenschaft (Aquarium) an Einsamkeit sterben. Inwieweit dies auch auf Aale zutrifft ist unklar.

Aale aus einem bestimmten Einzugsgebiet sind grundsätzlich durch spezifisch gleiche farbliche Merkmale geprägt. Zuwanderer oder Fremdbesatz zu einem Gebiet benötigen bis zu 3 Wochen um sich an die farblichen Merkmale des Gewässers anzupassen. Aale aus tieferen Gewässern weisen eine deutlich hellere Färbung auf als Aale aus Flachwasserzonen.

In Gewässern mit weichem Untergrund kann dieser Boden dem Aal als Unterschlupf dienen. Er gräbt sich mit dem Schwanz voran in das Sediment bis nur noch der Kopf herausschaut. Der Aal nutzt aber auch andere Dinge wie Wurzeln, Steine, Pflanzen und auch Zivilisationsmüll als Refugium. Selbst Kadaver werden als gute Versteckmöglichkeit angenommen.

Gelbaale sollen in der Lage sein, große Höhlen in die Uferböschungen zu graben. So gab es im Rahmen von Gewässerverbreiterungen mehrere dokumentierte Funde solcher Baue in dehnen sich z.T. mehr als 20 Aale aufhielten. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass Aale solche Höhlen nicht selbst anlegen, sondern vorhandene Bauanlagen anderer Wasserbewohner wie Biber, Bisam, Otter oder Ratten beziehen, wenn diese von ihren ursprünglichen Bewohnern verlassen wurden. Es ist auch bekannt, dass Aale sich nach Überschwemmungen in die Gänge alter Maulwurfsbauten zurückziehen, sobald das Wasser zurückgeht.

Der Aalfang mit der Angelrute beschränkt sich nahezu ausschließlich auf Aale im Gelbaalstadium.

Das Gelbaalstadium endet mit dem Beginn der Umwandlung zum Blankaal. In dieser Übergangsphase können Aale nur noch gelegentlich mit der Angel gefangen werden, da diese ihre Nahrungsaufnahme mit fortschreitender Umwandlung einstellen.

 

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