Glasaale 1.1

Ausgangspunkt

Die Zeitspanne, die mit dem Ende des Larvenstadiums (Leptocephalus breviostris) am Kontinentalsockel Europas und Nordafrikas beginnt und mit dem Abschluss der Pigmentierung in den Küsten- und Binnengewässern endet, wird beim europäischen Aal als Glasaalstadium bezeichnet.

gesellige Glasaale

gesellige Glasaale

Die Umwandlung der aus der Sargassosee stammenden Larve zum Glasaal beginnt unmittelbar mit dem Erreichen des Kontinentalsockels und geht mit einer Längenreduzierung von 8 cm auf 6 cm einher. Auslöser für den Umwandlungsprozess sind die steigenden Wassertemperaturen sowie die abnehmende Salzwasserkonzentration über den kontinentalen Platten.

Zu Beginn dieses Stadiums sind die jungen Aale also ca. 6 cm lang und ernähren sich von Kleinstplankton. Der fehlenden Hautpigmentierung nach der Umwandlung und der daraus resultierenden Transparenz, verdanken die Glasaale, die im Gegensatz zu den Larven auch bereits die äußere Gestalt der ausgewachsenen Aale angenommen haben, ihren Namen.

Wanderung in Richtung Küste/Festland

Nach Abschluss der Umwandlung zum Glasaal beginnt scheinbar wie auf Kommando die beharrliche Reise zu den europäischen und nordafrikanischen Küsten.

Während dieser Wanderung zeigen die inzwischen wieder 7-8 cm langen Glasaale erstmals ihre negativ fototaktische Verhaltensweise (Scheu vor Licht). Tagsüber ziehen die Glasaale in tieferen dunklen Wasserschichten und wandern nur nachts an der Meeresoberfläche. Diese Scheu vor Licht setzt sich auch beim späteren Aufstieg in die Flüsse sowie in allen weiteren Entwicklungsstadien fort.

Pigmentierung

Wissenschaftliche Untersuchungen von knapp 10.000 Glasaalen an unterschiedlichen Punkten französischer Flussmündungen haben ergeben, dass die Pigmentierung der Glasaale in erster Linie von 2 Faktoren abhängig ist. Als Erstes vom Salzgehalt des Wassers. Salzwasser verlangsamt bzw. verhindert die Pigmentierung. Der 2. Faktor ist die Wassertemperatur. Je kälter das Wasser, um so langsamer erfolgt die Pigmentierung.

So dauert der Pigmentierungsvorgang bei einer Wassertemperatur von 8°C ca. 45 Tage. Bei gleichem Salzgehalt und einer Temperatur von 18°C würde die Pigmentierung aber bereits nach 6 Tagen abgeschlossen sein.

Neben diesen beiden lokal temporären Umweltbedingungen wirkt sich außerdem die Entfernung zum Golfstrom auf die Dauer und somit auch auf den Grad der Pigmentierung bei der Ankunft in den Binnengewässern aus.

Weil die Entfernungen zwischen Kontinentalabhang und den einzelnen Küstenregionen naturgemäß unterschiedlich ausfallen, kommen die Glasaale auch zu verschiedenen Zeiten an den jeweiligen Küstenabschnitten an. Je weiter östlich ein Einzugsgebiet liegt, umso länger dauert auch die Wanderung. Vom Kontinentalabhang bis zu den mitteleuropäischen Küsten müssen die Glasaale eine Entfernung von ca. 1000 km bis 1200 km zurücklegen. Je nach Strömungen erreichen sie dabei eine Geschwindigkeit zwischen 7 – 8 km pro Tag. Demzufolge dauert das reine bzw. pigmentlose Glasaalstadium in diesen Gebieten ca. 4 bis 5 Monate und ist i.d.R. im Januar/Februar mit der Ankunft vor den entsprechenden Küstenabschnitten (z.B. westliche Nordsee) beendet.

Nur in solchen Gebieten, wo sich der Einfluss des Golfstroms auf die aktive Wandergeschwindigkeit der Aale noch in ausreichendem Maße auswirken konnte, kommen auch völlig pigmentfreie Glasaale an den Flussmündungen an.

Glasaal

Glasaal

Überall dort, wo der Einfluss des Golfstromes auf Grund der weiteren Entfernung oder sonstiger Einflüsse (Verschiebung) nicht mehr ausreichte, dringen nur noch mehr oder weniger pigmentierte Glasaale oder sogar nur gänzlich pigmentierte Aale in die Binnengewässer ein.

Im Allgemeinen steigen nur in den westlichsten Einzugsgebieten alljährlich pigmentfreie bzw. geringfügig pigmentierte Glasaale auf. In den zentral- und osteuropäischen Mündungen ist die Pigmentierung der Glasaale bei der Einwanderung grundsätzlich weiter fortgeschritten, wenn nicht sogar schon abgeschlossen. Nach Abschluss der Pigmentierung werden die Aale allerdings nicht mehr als Glasaale, sondern als Steigaale bezeichnet. Diese wandern nicht mehr in Gruppen , sondern schon als Einzelgänger in die Mündungen. Essentiell sind sie bereits Aale im sog. Gelbaalstadium,

In späteren Stadien sind es vor allem die Lichtverhältnisse, die Farbe des Sediments und das jeweilige Stadium selbst, welche das farbliche Erscheinungsbild der Aale bestimmen.

Wanderung in die Binnengewässer

Grundsätzlich sind die einwandernden Glasaale nicht, wie Lachse auf Laichwanderung, auf ein bestimmtes Binnengewässer, welches sie aus ihrer Jugend kennen, fixiert. Sie werden vielmehr durch verschiedenste Elemente des einströmenden Süßwassers bei ihrer Wahl gelenkt. Diese können sie in feinsten Konzentrationen bereits lange vor der Ankunft in den eigentlichen Flussmündungen mittels ihres hervorragenden Geruchssinns wahrnehmen. (vgl. hierzu Geruchsinn 1.0)

Massenaufstieg von Glasaalen

Massenaufstieg von Glasaalen

Glasaale streben demnach nicht automatisch den nächst besten oder gar einen speziellen genetisch zugewiesenen Zugang zum Binnenland entgegen, sondern wählen je nach temporären und lokalen Umweltbedingungen mehr oder weniger instinktiv, eine attraktiv wirkende Flussmündung aus. Dabei bilden sie regelrechte Schwärme, die in bis zu 20 m breiten und kilometerlangen Verbänden in die Küstengewässer dringen, um sich nach und nach in verschieden große Gruppen aufzugliedern und anschließend in die unterschiedlichen Binnengewässer zu ziehen. Je attraktiver ein Gewässer ist, je größer sind auch die jeweils aufsteigenden Gruppen.

Die Attraktivität eines Gewässer für einwandernde Aale steigt u.a. mit zunehmenden Nährstoffangebot und der Anzahl der in diesem Gewässer ausgewachsenen Aale, die über Geruchstoffe von den Glasaalen wahrgenommen werden können.

Aal in Massen

Aal in Massen

Die irreführende Bezeichnung „Heimatgewässer“ wird in diesem Zusammenhang leider noch von einigen Anglern verwendet, obwohl sie allenfalls für die standorttreue Phase im Gelbaalstadium einen gewissen Sinn ergeben würde. Nicht jedoch für das Glasaal- und/oder das Blankaalstadium.

Die Ursache hierfür liegt vermutlich nicht selten an einer ungewollten oder gar bewusst oberflächlichen Verwendung dieses Begriffs und führt so, oft auch im Zusammenhang mit Grundkenntnissen der Lachswanderung, zu einer unbewussten Verwechslung bzw. Verdrängung der Realitäten.

Im Gegensatz zum Lachs, ist die in dieser Beziehung immer wieder zitierte Wortwahl nicht nur irreführend, sondern auch grundlegend falsch. Denn es handelt sich bei diesen Binnengewässern nicht, wie beim Lachs, um die Geburtsstätten der Aale. Ganz im Gegenteil. Der europäische Aal ist im weitesten Sinne in Europa als Zuwanderer oder Dauergast anzusehen. Heimat ist etwas, wo man herkommt und/oder nach einer Auszeit immer wieder zurückkehren kann. Heimat ist aber nie etwas, was man, wie die Glasaale, zum ersten Mal bereist.

Die Larven der Aale schlüpfen in den tiefen Tangwäldern der Sargassosee irgendwo im Westatlantik und verbringen später als Gelbaale nur die sogenannte Fressphase im Süßwasser, bevor sie wieder an ihren Geburtsort, die Sargassosee, zurückkehren (katadrom) um sich dem Sinn des Lebens zu stellen. Der Lachs wird hingegen im Fluss geboren und verbringt sein Leben im Meer, bevor er wieder in den Heimat- bzw. Geburtsfluss zur Fortpflanzung und zum Sterben zurückkehrt (anadrom).

Der Aal trägt im Glasaalstadium lediglich die Information über seine eigene Herkunft in sich. In welcher Prägung diese Information gespeichert ist, ist bisher nicht erforscht.

Auf Grund unterschiedlicher Umweltbedingungen in den verschiedenen Binnengewässern kommt es während des Gelbaalstadiums, wo der

Aal eine gewisse Standorttreue entwickelt, nachweislich zu unterschiedlichen genetischen Varietäten (Stämmen) zwischen den Aalpopulationen. Dies konnte auch im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie nachgewiesen werden.
Je weiter die Gewässer von einander entfernt sind, umso größer sind auch die möglichen genetischen Unterschiede zwischen den Stämmen.

Zu den umweltbedingten Variationen zählt z. B. auch die unterschiedliche Ausprägungen des Kopfbereiches bei Spitz- und Breitköpfen, die von der Normalform (Schmalköpfe) unterschiedlich stark abweichen kann.

Es ist jedoch äußerst fraglich, ob umweltbedingt entstandene genetische Variationen in der Lage sind, auch jene Informationen über das Erbgut weiterzugeben, die es der Folgegeneration ermöglichen würde, die Ursache für die genetische Veränderung, also das entsprechende Gewässer, auch „wieder“ aufzufinden. Dazu müssten schließlich Erinnerungen quasi genetisch vererbt werden können.

Von der Vielfalt der Ökosysteme, der Arten und der genetischen Variationen hängt jedoch das überleben jeder Art auf der Erde ab. Das Internationale Übereinkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt (Biodiversitäts-Konvention) soll deshalb u.a. auch den Erhalt möglichst vieler Stämme innerhalb der jeweiligen Art gewährleisten.

Bei besonders schützenswerten einheimischen Stämmen (z.B. der Bachforelle) ist der Besatz mit gewässerfremden Stämmen deshalb zu Recht verboten. Beim Aal macht sich bis heute jedoch kaum jemand Gedanken über den Besatz mit fremdstämmigen aus westeuropa importierten Aalpopulationen.

Einzugsgebiet Deutschland

Während einige Länder zwischen unpigmentierten und pigmentierten Glasaalen begrifflich unterscheiden, werden in Deutschland die Glasaale aller Pigmentierungsstufen einheitlich auch als Aalbrut bezeichnet.

Dies erschwert leider auch eine Beurteilung bzw. Unterscheidung überlieferter Berichte über den Glasaalaufstieg oder die Einwanderung von Steigaalen.

In die Binnengewässer östlich der Elbe wanderten seit je her nur vergleichsweise geringe Mengen an Glasaalen. Durch den lebhaften und ungehinderten Zuzug von Steigaalen konnten sich dennoch auch in diesen Gewässern hervorragende Aalbestände entwickeln. Dies änderte sich jedoch sehr dramatisch mit der Verbauung dieser Gewässer. Denn ein Auffangen und anschließendes Umsetzen in die Oberläufe war und ist wegen der Einzelwanderung der Steigaale, im Gegensatz zur Massenwanderung der Glasaale, nicht möglich.

In vielen dieser Regionen sind die ursprünglich vorhandenen Aalpopulationen und -stämme inzwischen verloren. Nur durch Besatzmaßnahmen wird hier und da das regionale Aussterben des Aals auf künstliche Weise verhindert bzw. hinausgezögert.

Anders sieht es in den weiter westlich liegenden Gebieten aus. Denn, je weiter westlich der Elbe sich ein Einzugsgebiet befindet, je geringer ist wiederum der Grad der Pigmentierung und umso „gedrängter“ ziehen die Glasaale noch in die Flussmündungen ein, wo sie nun gegen die Strömung ankämpfen müssen.

Glassale bei der Hindernisüberwindung

Glassale bei der Hindernisüberwindung

Noch vor ca. 60 Jahren gab es offenbar auch noch in einigen zentraleuropäischen Flüssen ca. Mitte April, im Zeitraum von drei Tage vor bis drei Tage nach Mondwechsel, solch ein großartiges Naturschauspiel.

Bei einer Wassertemperatur von ca. 8°C stiegen Abermillionen Glasaale in die Flüsse auf, wo sie meistens zwischen 8 und 12 Jahren, seltener bis zu 20 Jahren, aufwuchsen, um anschließend fast ungehindert und auf nimmer Wiedersehen in Richtung Westatlantik zu verschwinden.

Massenaufstieg

Massenaufstieg

Mit Beginn des Industriezeitalters und dem damit verbundenen Verlangen nach Energie wurde diese Millionen Jahre alten Wanderwege jedoch durch die Verbauung der Flüsse unterbrochen.

Erst als man bemerkte, wie negativ sich die Verbauung der Gewässer auf den Aalbestand auswirkte, errichtete man an einigen Stellen Fischtreppen und andere Aufstiegshilfen. Teilweise wurden auch sogenannte Aalbrutfangstationen gebaut. Diese wurden ursprünglich zum übersetzen der Jungfische für die verlorenen Einzugsgebiete Oberhalb der jeweiligen Verbauungen erfunden und errichtet.

So wurde das alte Tidenwehr bei Herbrum beim Wiederaufbau in den 60er Jahren mit einer solchen Aalbrutfangstation ausgestattet. Zusätzlich wurden nun auch eine Fischtreppe und eine Rinne für aufsteigende Aale gebaut, damit auch die nicht gefangenen Fische weiter in die Oberläufe der Flüsse aufsteigen konnten.

Schleuse Herbrum

Schleuse Herbrum

Die Glasaale wurden damals mit Leinenkeschern einfach aus dem Wasser gefischt. Eine kleine Lichtquelle wurde aufs Wasser gehalten und lockte so die quirligen Massen in die ruhigeren Abschnitte des Wehres. Ca. 2 Stunden vor bis 2 Stunden nach dem Nachthochwasser trafen die Glasaale damals am Wehr ein.

Zu jener Zeit konnten auch hier noch mehrere Tonnen Glasaale im Jahr für die abgetrennten Emsgewässer gefangen werden.

Bereits Anfang des letzten Jahrhunderts wurde man auf die Verfügbarkeit von Glasaalen für Besatzzwecke und die damit erzielbaren Profite aufmerksam. Dies weckte schon frühzeitig Begehrlichkeiten in unvorhersehbarem Ausmaß. Die Nachfrage begann derart rasant zu steigen, dass letzten Endes die Glasaale nicht mehr für den Besatz des ursprünglichen verbauten Gewässersystems verwendet, sondern an jene Fischer und Händler verkauft wurden, die das meiste dafür bezahlten konnten.

Wer viel Geld für etwas bezahlt, will es natürlich auch nur ungern wieder verlieren. Bei einem Besatz innerhalb des Einzugsgebietes bestand jedoch die Gefahr der Abwanderung zur Fortpflanzung ohne dass man einen Nutzen (Profit) hatte. Einen solchen Verlust wollte man deshalb, ohne Rücksicht auf die Folgen für den Bestand, unter allen Umständen verhindern.

Und so kam es zum massenhaften Besatz völlig ungeeigneter abflussloser Gewässer fernab der natürlichen Einzugsgebiete und zum verheerenden Verlust der natürlichen Reproduktionsmöglichkeiten des europäischen Aals über viele Jahrzehnte hinweg. Inzwischen stellt wohl der Anteil, der in kommerziellen Mastanlagen verschwindenden Glasaale, einen der schwerwiegendsten Verluste dar.
Dieser Eingriff in den ohnehin schon stark gebeutelten Kreislauf löste möglicherweise den Zusammenbruch der gesamten europäischen Aalpopulation aus und führte letzten Endes auch zu dem heute noch anhaltenden internationalen Preiskampf um die jungen Glasaale Westeuropas.

Eine Befischung der Glasaale in Größenordnungen, wie sie in westlicheren Gebieten Europas stattgefunden hat bzw. auch heute noch stattfindet, ist hierzulande natürlich zu keiner Zeit möglich gewesen. Inzwischen ist selbst das abfangen der wenigen noch vorhandenen Einwanderer vollkommen unwirtschaftlich geworden und wird allenfalls noch aus wissenschaftlichem Interesse durchgeführt.

Um den Bedarf an Besatzmaterial zu decken wurden, schon vor dem Bau der Aalbrutfangstation an der Ems, Aalbrutfangstationen im Ausland, z. B. am Severn in Südengland errichtet und die dort gefangenen Aale bis zum Ende des 2. Weltkrieges für den Besatz hiesiger Gewässer verwendet. Da mit dem verlorenen Krieg auch diese Quelle verloren war, wurde wenig später die entsprechende Fangstation an der Ems eingerichtet.

Von der einstigen Aalfangstation ist heute nichts mehr zu sehen. Einige Kilometer weiter Stromabwärts bei Gandersum wurde aber im Jahr 2002 ein noch größeres Sperrwerk eröffnet, welches nach wie vor in der Kritik vieler Umwelt- und Naturschützer steht. Eine entsprechende Fangstation oder Aufstiegshilfen gibt es hier nicht mehr.

Gandersum

Gandersum

Bezug von Glasaalen/Aalbrut

Am alten Emssperrwerk wurde die gefangene Aalbrut durch ein engmaschiges Gitter vom Beifang (Krabben) getrennt und in Behältern von jeweils 100 Kg Fassungsvermögen mit Sauerstoff versorgt.

dicht gedrängte Glasaale

dicht gedrängte Glasaale

Zur Aalversandstelle des Deutschen Fischereiverbandes wurden die Glasaale dann in mit Gase bespannte Holzrahmenkisten (je 10 Stück übereinander) aufgeteilt und nach Hamburg transportiert. Ein auftauender Eisblock in der obersten Kiste sorgte für die notwendige Feuchtigkeit und Temperatur in den darunter liegenden Holzrahmen, welche mit jeweils ca. 2 Kg Glasaalen bzw. Aalbrut (8000 Tiere) bestückt waren.

In der Aalversandstelle durften sich die Tiere vom Transport erholen, bevor sie aufgeteilt und weiter an die Besatzgewässer befördert wurden. Die Aalbrutfangstelle an der Ems lieferte damals den gesamten Aalbesatz für die westdeutschen Länder und hatte eine durchschnittliche Fangquote von 4-6 Tonnen Aalbrut. Ende der 20er Jahre wurden hier gerade nur ca. 10h Kg/Jahr gefangen. Weshalb die Zahl der Aalfänge in den 60er Jahren derart stark Anstieg ist ungeklärt. Es liegt offenbar jedoch nicht ausschließlich an einer wesendlich verbesserten Fangtechnik.

Heute bezieht die Aalversandstelle des deutschen Fischereiverbandes jedoch wieder Glasaale aus England, soweit denn dort noch welche Ankommen und diese auch bezahlbar sind. Sie verkauft sie nach wie vor für Besatzzwecke an Fischerei- und Angelvereine. Sie ist inzwischen jedoch gezwungen mit einer Vielzahl von kommerziellen Aalfarmen um die immer weniger werdenden Glasaale zu rivalisieren.

Im Jahr 2008 erhielt die Versandstelle offenbar keine Glasaale aus England, weil die Springflut angeblich nahezu ausblieb und so nicht ausreichend Glasaale für den Export zur Verfügung standen.

Es wurde höchste Zeit, dass die richtigen Maßnahmen zur Wiederauffüllung der europäischen Aalbestände auf den Weg gebracht wurden und in den nächsten Jahren konsequent umgesetzt werden. Andernfalls ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann die letzten Überbleibsel dieses ehemals eindrucksvollen und überwältigenden Naturschauspiels endgültig vom europäischen Kontinent verschwunden sind. Im Bewusstsein der Bevölkerung existiert der Aal zumeist leider nur noch in Form eines eingeschweißten Produkts aus dem Kühlregal des Supermarkts.

einsamer Glasaal

einsamer Glasaal

Ein Glasaal am Beginn seiner langen Reise. Die Chance, dass er nach dieser bis zu 20 Jahre andauernden gefährlichen Wanderung an dieser Stelle wieder vorbeikommt ist verschwindend gering. Seine Überlebenschance liegt bei weniger als 1%….

 

Viel Glück….!

 

 

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