Rückblick 2004 – Dezember: Glasaal-Agenten wieder unterwegs (Fakten, Zahlen und Statistik)

Seit dem 15.November sind die Glasaaljäger an den Küsten von Spanien und Portugal wieder auf Beutezug. Im Januar werden die Franzosen mit dem Glasaalfang beginnen und Ende Februar steigen die Briten ins Glasaalgeschäft ein. Dann wird bis März (Portugal und Spanien), April (Frankreich) bzw. Mai (GB) jeder Glasaal eingefangen der zu kriegen ist. Die Preise für Glasaal dürften im Jahr 2004 bei ca. 600,- Euro/Kg gelegen haben. Sie unterliegen auf Grund der stark zurückgegangenen Glasaalbestände jedoch weiterhin starken Schwankungen. Bei der Verwendung von Aalbrut als Besatz (Fische weit unter 10cm Größe), aber auch bei der natürlichen Einwanderung in die Gewässersysteme liegen die Verluste wegen der natürlichen Risiken und künstlichen Gewässerveränderungen bei ca. 97% der einwandernden bzw. besetzten Glasaale. D.h. von einem Kilo Glasaal (ca. 3500 Individuen) überleben dieses Stadium bis 10 cm größe nur ca. 100 Fische. Kann man diese, im Grunde nicht mehr vertretbaren Verluste, ohne weiteres hinnehmen? Es sollte zu Besatzzwecken mindestens vorgestreckte Aalbrut bis 15g je Fisch verwendet werden. Dadurch wird, nach Meinung der Forscher, auch den Vermutungen zur Genüge entgegengewirkt, dass sich in Aalfarmen nur männliche Individuen entwickeln könnten. Denn die Geschlechtsorientierung (nicht Entwicklung) erfolgt erst ab einem Gewicht von ca. 20g. In diesem Stadium liegt die Überlebensrate bereits bei über 80 %. So der derzeitige Stand. Eine ebenfalls dramische Entwicklung zeigt sich bei den Wanderungsbeschränkungen. Nach den Angaben des International Council for the Exploration of the Sea (ICES) und des European Inland Fisheries Advisory Committee (EIFAC) sind etwa 50% aller ehemaligen europäischen Aalgewässer inwischen für den Aal nicht mehr erreichbar. Der Grund sind Eingriffe des Menschen (Querverbauungen). Die 1908 gegründete Aalkommision des DFV mit der Aalversandstelle des DFV stellen derzeit Überlegungen an, wie Angesichts des zurückgehenden Aalbestandes die Eigenversorung der Landesverbände zukünftig gesichert werden kann.Polemischen Äußerungen einzelner “Tierschützer”, der Rückgang hätte etwas mit
der gestiegenen Anzahl der Angler und Fischer in Deutschland zu tun, die nichts anderes wollen, als “Sähen und Ernten wie Landwirte”, fehlt jegliche Grundlage. Vielmehr beweisen nunmehr die europaweiten Fangmeldungen an Speiseaal das Gegenteil. Wurden 1970 noch 20.000 Tonnen europaweit gefangen sind es 2001 nur noch 1.700 Tonnen europaweit gewesen. Und diese Entwicklung unterlag grundsätzlich nicht etwa natürlichen Schwankungen, sondern setzt sich seit mehr als 30 Jahren konstant weiter fort. Wo früher ein Verein mit seinen Mitgliedern im Jahr vieleicht 100 Aale hat fangen können, sind es heute nur noch 8 Aale. Ursache hierfür ist wohl vielmehr der Rückgang der Glasaalbestände als Folge von Überfischung, Umweltverschmutzung, Querverbauung, Frassdruck und Parasitenbefall. Inwieweit Klimaveränderungen und/oder eine Verschiebung der Golfströhmung als weitere Ursachen in Frage kommen ist bisher unbekannt.”Die Glassaaleinwanderung”, so berichtete die Aalpost 2003,” ist auf ca. 10% des langjährigen Mittels zurückgegangen, in den letzten Jahren sogar auf 5 bis 2 %”!!!!!Leider werden viel zu wenig Mittel für die Erforschung dieses einzigartigen Lebewesens unserer Gewässer zur Verfügung gestellt. Angesichts leerer Kassen ist hier eine Veränderung kaum zu erwarten. Lieber wird ein Straßenfest mit 1 Milion Euro subventioniert (welches auch mit Sponsorengeldern möglich wäre) als einer jahrtausende alten einheimischen Art womöglich das Überleben zu ermöglichen. So ist wohl die politische Zeit. Ohne Lobby …kein Aal.

 

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