Rückblick 2004 – Dezember: Mordlust als Motiv der Angelei?

Tiefenpsychologen vermuten eine gewisse Mordlust als Motivation der Fischerei mit der Angel, schließlich könne man viel einfacher und wahrscheinlich auch noch sicherer, schneller und billiger in jedem Supermarkt seinen Fisch kaufen. Warum also die Angelei?

Solch ein Quatsch wird schon allein dadurch widerlegt, dass es Catch & Relase gibt. Also Fische nicht getötet, sondern wieder zurückgesetzt werden, wenn man sie nicht verwerten will, kann oder darf. Die Motivation liegt wohl eher in einem Jahrtausende altem Jagd- und Überlebensinstinkt. Für die Jäger und Sammler Kultur der Urzeit war der Fischfang und die Jagd überlebenswichtig. Dies hat sich in der Evolution bis heute weitervererbt. Damals waren es die Männer, die für die Versorgung der Familienverbände von der Natur durch Ausstattung mit Größe und Muskelkraft vorgesehen waren. Daran hat sich heute zwar einiges geändert, die Instinkte sind jedoch bei den Männern geblieben. Deshalb sind es fast ausschließlich Männer die dieser Leidenschaft nachgehen. Ich persönlich geh natürlich nicht nur zum Angeln sondern gehöre auch der Sammlerfraktion an. Besonders in so Pilzreichen Jahren wie dieses eins zu werden scheint. Meine Frau hingegen hat keine Lust durch den Wald zu krabbeln, sie würde sich sowieso nur verlaufen, weil ihr ein guter Orientierungssinn fehlt. Ebenfalls ein Instinkt aus der Jägerzeit der Urgeschichte der bis heute seine Wirkungen zeigt. Welche evolutionäre Kraft treibt aber einen Angler auch noch mitten in der Nacht ans Wasser? Das Adrenalien! Ohne diesen Extraschub an Kraft und Konzentration, ohne diesen Kick beim Anlanden und Drillen (Aal ausgenommen) wäre wohl kaum jemand bereit so oft sein warmes Bett zu verlassen und des Nachts den Schleichern der Gewässer nachzustellen wie wir. Ohne das Adrenalin wäre in der Urzeit wohl manch eine Jagd leer ausgegangen und würde auch heute noch der ein oder andere Drill öfter von einem Verlust gekrönt sein. Und letztlich ist es die Erfolgssucht des Menschen die Ihn vorwärts treibt und nicht irrwitzige Mordgelüste. Wer jemals den selbst gefangenen Fisch mit sorgfalt und hingabe zubereitet hat und von der Familie für ein festliches Mal dafür bewundert und bedankt wird, der kommt nur selten von dieser Erfolgssucht wieder weg. Nicht vergleichbar mit einem Einkauf in einem Supermarkt.
Ich denke damit wären die Motive der Aalangler ausreichend begründet und die Psychologen können sich beruhigt der sadistischen Wurstverkäuferin oder dem blutrünstigen Fleischermeister zuwenden.

 

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