Rückblick 2005 – April: Der japanische Aal (Anguilla japonica)

Neben dem amerikanischen Aal (Amerikanischer Aal) ist der japanische Aal (Anguilla japonica) der engste Verwandte des europäischen Aals. Leider ist über diese Art nicht soviel bekannt wie über die beiden atlantischen Arten, aber immerhin noch mehr als über die restlichen Arten der Gattung Anguilla. Neuerdings haben japanische Studenten auch die Gelegenheit auf Forschungsschiffen im pazifischen Ozean an Forschungsprojekten mitzuarbeiten.

Der Aal wird in Japan Unagi genannt oder als Common Eel bezeichnet.

Das Gewicht der japanischen Glasaale ist nur etwa halb so hoch wie bei den europäischen Glasaalen. Ein Kilogramm enthält somit ca. 5000-6000 Tiere. Die Geburtsstätte der japanischen Aale liegt im Japanischen Meer im Nordäquatorialstrom (Kurushio-Strom) westlich der Mariana Inseln. Hier werden offenbar auch die anderen pazifischen Arten Anguilla celebensis, A. bicolor und A. marmorata geboren. Die transparenten Junglaven (um 10 mm) haben offenbar schon einen enormen Nahrungsbedarf.

Sie haben ebenso wie die europäischen Aale eine Art ausfahrbaren Minifangkiefer mit langen spitzen Zähnen, wie sie auch von anderen Tiefseebewohner bekannt sind.

Aus dem Japanischen Meer steigen die

Jungaale gruppenweise in sogenannten Schulen, nach ca. 5 Monaten im offenen Meer, in die Flüsse Japans, Chinas und Koreas auf. Dort verbringen sie die nächsten 5-20 Jahre. Die japanischen Aale leben aber auch in Taiwan und nördlich der Philippinen. Sie wachsen ca. 0,6 mm pro Tag und werden 45 bis 150 cm lang. Mit 1-3 Jahren sind sie nicht mehr, abgesehen von der Länge, von den erwachsenen Tieren zu unterscheiden. Angeblich sollen sie dabei nicht einmal 1 Kg Gewicht erreichen. Sie ernähren sich von Krusten- bzw. Schalentieren, Insekten und Fisch. Der Aal ist der teuerste und gleichzeitig meist genutzte Fisch Japans. Er steht nicht auf der roten Liste der IUCN.

Gerichte wie Unaju oder Unadon (gegrillte Aalfilets mit süßer Sojasoße und Reis) sind in Japan bekannter als Sushi.

Ein weiteres äußerst beliebtes Gericht ist “unagi-donburi”. Das ist eine Schale mit Reis und Gemüse auf die wohlgemerkt nur als Beilage geräucherter Aal angerichtet wird. Der geräucherte Aal wird aber vorher noch einmal kurz aufgekocht. Nach Angaben eines Japanreisenden soll dadurch das Fleisch “sehr fein und extrem zart” werden. In unseren Breiten wäre Aal als Beilage wohl zu selten, zu teuer und zu schade.

Zwischen den Jahren 1901 und 1978 wurden in Japan ca. 3000 Tonnen Aal pro Jahr gefangen. Im Jahr 1978 begann die Pionierzeit der großen Aalfarmen in China und Hongkong!!! Ein stetiger Rückgang der Bestände war aber schon seit 1970 absehbar. 1979 wurden nur noch ca. 2000 Tonnen gefangen. Die Zahl ging in den 80ern und 90ern weiter zurück. Seit 1993 werden vergleichsweise nur noch ca. 1000 Tonnen wildlebende Aale gefangen. Um den hohen Bedarf an Aalen auch in Japan zu decken wurden dort ebenfalls Aalfarmen gebaut.

Um nun die Kapazitäten dieser in ganz Asien über die Jahre aus dem Boden geschossenen Aalfarmen oder besser Aalmästereien abzudecken reicht das heutige natürliche Glasaalvorkommen der japanischen Aale längst nicht mehr aus. Hinzu kommt, dass inzwischen Preise bis zu 10.000 Euro/Kg für japanische Glasaale gezahlt werden. Leider ist in Europa mit Geld so ziemlich alles Kaufbar, sogar die kompletten Glasaalbestände der europäischen Aale, so offenbar geschehen im Jahr 1996 als wegen des strengen Winters sehr viel weniger Glasaale gefangen wurden. Allein China soll etwa die Hälfte des gesamten Glasaalbestandes für das dreifache des üblichen Preises geordert haben. Sie hätten wohl auch das 5- oder 7- fache gezahlt und lägen damit immer noch unter den Preisen für japanische Glasaale. Die Chinesen setzen im Glasaalhandel regelrechte Marketingagenten ein.

Die europäische Farmaalproduktion liegt vermutlich bei 8000 Tonnen hinzu kommen ca. 20.000 Tonnen aus Import und Fischerei um den Bedarf in ganz Europa zu decken. In Asien werden ca. 50.000 Tonnen europäische Aale in Farmanlagen gemästet. Dazu kommen 70.000 Tonnen des japanischen Aals und ca. 4000 Tonnen des amerikanischen Aals. Nach Angaben einer asiatischen Aalfarm (Hongkong) liegt der Gesamtasiatische bedarf bei 300.000 Tonnen Aal. Hauptkonsument ist neben China und Japan vor allem auch Korea. In China werden Aale zudem für medizinische Zwecke benutzt.

Warum wird in Japan soviel Fisch und besonders Aal gegessen?! Wenn man sich die Struktur des Landes ansieht kommt man schnell von selbst drauf. Es gibt so gut wie keine Landschaft wo Viehzucht möglich ist. Alles ist mit Wolkenkratzern und Asphalt zugebaut bzw. mit felsigen Bergen ausgestattet. Die Einfuhrzölle für Fleisch sind dermaßen hoch, dass dies, und insbesondere Rindfleisch, unbezahlbar ist. Da kommen die Aalfarmen mit ihrem relativ geringen Platzbedarf natürlich gerade recht um den Bedarf der Bevölkerung an tierischem Eiweiß zu befriedigen.

Von Hühnern wird beispielsweise fast alles gegessen! Sogar für die Zungen und Därme gibt es besondere Gerichte und Rezepte. Der Aal ist also in Japan dass, was bei uns die Schweine sind? Schweine kann man aber züchten und Aale nicht. Da liegt das Problem, was gelöst werden muss, damit nicht eine uralte europäische Art von Asiaten einfach aufgegessen wird.

In Japan und Taiwan gilt der Aal zudem seit Jahrhunderten als Tier der Kraft und wird deshalb, besonders von Männern verspeist, in dem Glauben die Kraft würde sich auf sie übertragen. Besonders solche mit Potenzproblemen.

Es gibt zwar in den süd-ost-asiatischen Gewässern auch noch andere Aalarten wie Anguilla celebensis, Anguilla bicolor und Anguilla marmorata, diese sind aber offensichtlich nicht so zahlreich oder widerstandsfähig und haben wohl auch ein geringeres Wachstum um ausschließlich in Aalfarmen gemästet zu werden. Zumindest, solange es lohnendere Alternativen gibt. Da die 4 Arten die gleichen Küsten bevölkern und deren Glasaale wohl nicht zu unterscheiden sind, werden diese Arten mitgefangen und an die Aalfarmen geliefert. Dort erfolgt dann erst später eine Aussortierung. Die Firma Poseidon verkauft mit einer Artenreinheitsangabe von 98% Glasaale in Styroporkästen (Kiloweise) an jeden beliebigen Ort der Erde. Ich frage mich allerdings: Wohin wandert ein europäischer Aal wenn er z.B. in ein afrikanisches, japanisches oder australisches Gewässer eingesetzt worden ist?

Denkt mal darüber nach……

 

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