Rückblick 2005 – Januar: Milliarden von Glasaalen steigen in die Flüsse auf!

So oder so ähnlich stand es noch vor 40 Jahren in jedem Jahr im April in den Zeitungen und Zeitschriften Europas. Mitte (selten) bis Ende April, drei Tage vor und nach Mondwechsel, setzte damals noch die Massenwanderung der Glasaale in die Flüsse Europas ein, wo sie meistens zwischen 8 und 12 Jahren blieben um anschließend auf nimmer wiedersehen in Richtung Westatlantik zu verschwinden. Eine wichtige Voraussetzung für das Aufsteigen der Glasaale ist neben den genannten eine Wassertemperatur von mindesten 8°C. Die Millionenschwärme junger Glasaale kamen in bis zu 20 m breiten und mehreren Kilometer langen Schwärmen in die Flüsse gedrängt und nichts konnte Sie aufhalten…. außer die Aalbrutfangstationen an den Sperrwerken; wie z.Bsp. das alte Tidewehr an der Ems bei Herbrum. Deutschland hatte den Krieg und somit auch seine Aalbrutfangstation am Severn in Südengland verloren. Viele Flüsse waren einfach zu verdreckt um den Aalen einen attraktiven Lebensraum zu bieten. z.Bsp. besonders Weser und Elbe. An der Ems wurde Anfang der 60er das abgerissene alte Wehr aus dem vorletzten Jahrhundert neu aufgebaut und gleichzeitig eine neue Aalbrutfangstation eingerichtet. Zusätzlich wurde eine Fischtreppe und eine Rinne für aufsteigende Aale gebaut, damit die nicht gefangenen Fische weiter in die Oberläufe der Flüsse aufsteigen konnten.

Die Glasaale wurden mit Leinenkeschern einfach aus dem Wasser gefischt. Eine einfache kleine Lichtquelle wurde aufs Wasser gehalten und locke so die brodelnden Massen in den ruhigeren Abschnitten des Wehres heran. 2 Stunden vor bis 2 Stunden nach dem Nachthochwasser trafen die Glasaale damals am Wehr ein. In drei Behältern mit einer Aufnahmekapazität von je 100 Kg wurden die gefangenen Glasaale vom Beifang (Wollhandkrabbe) durch ein engmaschiges Gitterrost getrennt und mit Sauerstoff versorgt. Zur Aalversandstelle des Deutschen Fischereiverbandes in Hamburg wurden die Glasaale in mit Gase bespannte Holzrahmenkisten (je 10 Stück übereinander) transportiert. Ein tauender Eisblock in der obersten Kiste sorgte für die notwendige Feuchtigkeit in den darunter liegenden Holzrahmen, die mit jeweils ca. 2 Kg Glasaal (8000 Tiere) bestückt waren. In der Aalversandstelle durften sich die Tiere vom Transport erholen, bevor sie aufgeteilt und weiter an die Besatzgewässer transportiert wurden.

Diese Aalbrutfangstelle lieferte in den 60ern den gesamten Aalbesatz für die westdeutschen Länder und hatte eine durchschnittliche Fangquote von 4-6 Tonnen Glasaale. 1928 lag diese noch bei 102 Kg. Weshalb die Zahl der Aalfänge derart stark Anstieg ist ungeklärt, liegt offenbar jedoch nicht ausschließlich an einer verbesserten Fangtechnik.

Und wie sieht es jetzt dort aus? Wer hat dies eindrucksvolle und überwältigende Naturschauspiel zum letzten mal voll erstaunen und Bewunderung zu Gesicht bekommen? Vielleicht fahre ich Ende April zum Mondwechsel mal hin und schieß ein paar Fotos vom traurigen Rest dieses ursprünglichen Phänomens…… Falls jemand Bilder hat, bitte mailen oder in Fotogalerie laden.

 

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