Rückblick 2005 – März: Bevorstehendes EU Fangverbot für laichreife Aale will Mecklenburg-Vorp. umgehen

Das Land Mecklenburg Vorpommern will das bevorstehende EU-weite Fangverbot für laichreife Blankaale verhindern bzw. durch verstärkten Besatz mit Wildfängen (Glasaale oder Jungaale aus Mastanlagen) umgehen. Welchen Sinn hätte der EU-Schutz von gefährdeten Arten, wie bei Aalen auf der Laichwanderung, wenn einzelne Länder sich darüber hinwegsetzen könnten. Angeblich sei der Aal in Mecklenburg-Vorpommern immer noch der Brotfisch der Berufsfischer. Wie kann das sein??? Die Fänge sind lt. eigenen Angaben der Berufsfischer um 90 % zurückgegangen. D.h. der Verdienst dieser Berufsfischer müsste angesichts der explosionsartig gestiegenen Glasaalpreise (Besatz kommt schließlich vor dem Fang) inzwischen bei Null angekommen sein. Also, 90% weniger Fang und erhöhte Einkaufspreise zusammen gerechnet dürfte sich der Fang von Aalen doch kaum noch lohnen, was wiederum die Bezeichnung als Brotfisch bzw. Haupterwerbsfisch nicht einmal im entferntesten verdient hätte. Hier widerspricht sich also die Argumentation.

Dies lässt sich auch anhand der von den Fischern vorgelegten Zahlen belegen. Lt. Fischereiverband gibt es 58 Binnenfischer mit 250 Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern. Diese fangen pro Jahr nach eigenen Angaben max. 14 Tonnen = 14.000 Kg Aal. 1 Kg geräucherter Aal kostet z.B. im Supermarkt 19,99 Euro und beim Direktvermarkter max. 35,- Euro. Ergibt also einen Gesamtwert zwischen 19,99 x 14.000 und 35,00 x 14.000. Also, zwischen 279.000 und 490.000 Euro. Also, pro Binnenfischer (/58) Einnahmen zwischen 4810 und 8448 Euro pro Jahr. Davon müsste er Besatz kaufen von ca. 600,- Euro pro Kg Glasaal und seine durchschnittlich 4 bis 5 Angestellten bezahlen. Kosten für Reparaturen, Steuern und Abgaben u.s.w. sind ebenfalls davon noch nicht abgezogen. Wie davon auch nur einer der Binnenfischer oder gar einer der 250 Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern überleben will ist mir ein Rätsel. Ich hoffe nicht, dass hier auch noch Fördermittel fließen um die Erwerbsfischerei auf die Restbestände der Flussaale weiter zu ermöglichen….

Oder etwas doch? Sind es am Ende gar nicht die Berufsfischer im Verband sondern die Betreiber von Aquakulturanlagen die eine Lobby im Verband besitzen. Wenn man sich das genau anschaut, kommt man zu dem Schluss, vom Land MV wurden Millionen Euro EU-Fördermittel und Landesmittel für ein paar Aquakulturanlagen ausgegeben, die mit einer Produktionsmenge von 300 Millionen Tonnen Farmaal die Versorgung des Marktes übernehmen wollen. Dies Anlagen müssen natürlich mit riesigen Mengen an Glasaalen bestückt werden und arbeiten zudem nicht annähernd so rentabel wie italienische Anlagen. Da man sich nun aber nicht die Blöße geben will und feststellen muss, dass seit Einführung der Aquakultur für Aale die natürlichen Bestände wegen der Entnahme der Babyaale immer weiter zurückgehen, wagt man sich in der EU offenbar nicht an ein Verbot des Glasaalfangs, sondern nur an eine Einschränkung der Aalfarmkonkurenz, dem Blankaalfang des normalen Berufsfischers. Statt dessen setzt man auf noch mehr Besatz. Und was will man mit einem verstärkten Besatz erreichen? Das noch mehr Glasaale gefangen werden? Also dass noch mehr Wildfänge als Besatz in geschlossene Systeme gesetzt werden, ohne jemals eine Chance zum Ablaichen zu bekommen und somit für die Arterhaltung verloren sind? Irgendwo muss der Besatz ja herkommen. Ich weis ja nicht ob es etwas bringt, den Verantwortlichen den korrekten Namen der Tiere vor Augen zu halten, die hier, trotz zusammengebrochener Bestände außerhalb sicherer biologischer Grenzen, entgegen der EU, weiter dezimiert werden sollen. Die heißen nämlich nicht um sonst Flussaale! Evtl. ist dort auch nicht bekannt das JEDER!!! besetzte Aal, auch die aus Aquakulturanlagen, ursprünglich aus Wildfängen der Glasaalfischer Europas stammt, bei dehnen ein Großteil in den Netzen umkommt und nur deshalb für ein Zwanzigstel des Preises für lebende Aale, quasi als toter Beifang, in Dosen verkauft wird. Kein Glasaalfischer ist so blöd und tötet einen Glasaal. Schließlich ist er lebend 10-20 mal soviel Wert. In Mecklenburg-Vorpommern hat man offenbar kein Problem die letzten 12 bis 14 Tonnen gefangener Aal weiter zu dezimieren, ohne etwas für die Erholung der Bestände zu tun. Natürlich gibt es noch jede Menge andere Dinge die getan werden müssten, damit sich die Bestände erholen können. Ein Fangverbot für abwandernde Blankaale ist aber ein guter Anfang. Die Schuld immer nur bei den anderen zu suchen führt zu keiner Lösung des Problems.

Weshalb allerdings die Angler in diesem Fall mit ins Boot geholt werden sollen ist nicht ganz klar. Denn erstens werden von Angler kaum Blankaale gefangen, da diese ja die Nahrungsaufnahme nach und nach einstellen, zum anderen sind sie von dem EU-Verbot gar nicht betroffen.

Ein Angler würde doch auch nie auf die Idee kommen einen Babyaal einzufangen, ihn in einen Eimer zu stecken, ihn jahrelang zu mästen und anschließend wenn er Laichreif wird zu schlachten.

 

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