Rückblick 2005 – November: Die Wollhandkrabbe – eingeschleppter Plagegeist…

Die Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) stammt ursprünglich aus Südostasien (China). Ihre Larven wurden wahrscheinlich mit dem Ballastwasser von Handelsschiffen um 1910 massenhaft nach Europa eingeschleppt und 1912 erstmals in der Aller nachgewiesen. Sie gehört zur Familie der Grapsidae, einer Gruppe von Krabben und Kurzschwanzkrebsen.

Der fast quadratische Körper wird ca. 9 cm breit und besteht aus einem ovalen Kopf-/Bruststück und einem kleinen, dreieckigen, nach vorn umgeklappten Schwanzstück sowie 8 langen, dünnen Beinen und 2 Scherenarmen. Die bis zu 30 cm lange Krabbe kann damit an Land und unter Wasser sehr schnell seitwärts laufen. Ihre Farbe ist olivgrün mit dunklen Flecken. Die Scheren (Hände) der Männchen sind mit einer pelzigen Wolle bedeckt, was ihr den Namen gab.

Sie lebt hauptsächlich im Süßwasser, kommt aber auch im Brack- und Seewasser vor. Die nachtaktiven Tiere graben sich Wohngänge in den Grund von lehmigen Gewässern und verursachen so große Schäden an Uferbefestigungen und Deichen. Die Weibchen haben einen ausgeprägten Wandertrieb und ziehen oft sogar jahrelang Flussaufwärts, wobei sie auch schwerste Hindernisse mittels Landgang überwinden können. Für die Strecke Hamburg – Dresden benötigt eine Krabbe etwa 3 Jahre. Jungtieren wandern ca. 3 km/Tag.

Zur Fortpflanzung wandern die Krabben im Alter von ca. 5 Jahren mit einer Geschwindigkeit von ca. 12 km/Tag in der Mitte der Flüsse wieder zu den Mündungen zurück. Seit den 30er Jahren kommt es regelmäßig zu periodischen Massenwanderungen und –Vermehrungen mit erheblichen ökologischen Schäden. Ein solches Verhalten ist von keiner heimischen Krebsart bekannt. Die Ablage der vielen Eier erfolgt im Meer, bei einem Salzgehalt von mindestens 15 Promille. Die Larven leben nach dem Schlüpfen eine Zeit lang pelagisch, bevor sich Ihre Form nach mehrmaligem Häuten der Form der Elterntiere angleicht.

Die Wollhandkrabbe werden ab einer Wassertemperatur von ca. 14 °C erst richtig aktiv. Bei uns also etwa gegen Ende Mai/Anfang Juni.

Wollhandkrabben sind Allesfresser, bevorzugen allerdings tierische Nahrung. Neben Fischnährtieren wie Würmern, Insektenlarven, Muscheln und Schnecken fressen sie auch Jungfische und besonders gern Fischlaich. So verdrängen sie massiv alle einheimischen Krebsarten.

Zum Leidwesen der Fischer dringt sie auch in Fischreusen ein und greift die gefangenen Fische an. Dabei zerstören sie die Netze mit ihren scharfen Scheren und fressen die Reusen leer. In vielen Bereichen ist die Wollhandkrabbe auf Grund ihrer sehr hohen Anzahl zu einer echten Plage geworden.

Die Bekämpfung dieser allochthonen Art (nicht einheimisch) blieb jedoch in den letzten Jahren recht erfolglos. Nachdem 1992 in San Fancisco und auf Hawai die ersten Wollhandkrabben gesichtet wurden, beschäftigen sich nun Weltweit Wissenschaftler mit der Bekämpfung der sich ausbreitenden Krabbenplage außerhalb ihres Ursprungsgebietes.

Eine wirtschaftliche Nutzung der riesigen Bestände wird seid jüngerer Zeit geprobt.

Der Geschmack des Fleisches ist mit dem des Hummers vergleichbar und in einigen Gastronomischen Einrichtungen werden bereits entsprechende Gerichte angeboten. Nicht umsonst werden die Tiere in Chinas Aquakulturanlagen massenhaft (über 200.000 Tonnen/Jahr) gezüchtet. Bereits Tiere ab 50g Gewicht sind für den menschlichen Verzehr geeignet, soweit es die Schadstoffbelastung zulässt. Leider ist dies in den meisten Fällen ein Hinderungsgrund. Es gibt auch erste Exportversuche von gefangenen Jungtieren für die Aquakulturanlagen in Asien. Ebenso existieren ernsthafte Versuche zur Verwendung der Panzer (Chitinumwandlung zu Chitossan) als nachwachsender Rohstoff, um die Plagegeister einzudämmen. In Deutschland fallen mehr als 5000 Tonnen/Jahr Chitin an.

Chitosan ist in der Medizin als Nahtmaterial, in der Landwirtschaft zur Saatgutbehandlung und in der Abwasserbehandlung ein sehr begehrter Rohstoff. Um die Produktion noch kostengünstiger zu betreiben und die Qualität zu verbessern wird in Deutschland an der Optimierung der Herstellungsverfahren geforscht.

Letztlich soll es einmal möglich sein, mit Hilfe von Chitosan, Schwermetalle aus Abwässern zu entfernen und wieder zu gewinnen.

In der Zwischenzeit versucht man vergeblich gegen dieses Massenaufkommen anzugehen. In der Elb-Staustufenfischtreppe bei Geesthacht wurde u.a. eine „Wollhandkrabben-Schikane“ eingebaut. Diese Maßnahme, sowie auch die Fanggeräte die in der Vergangenheit zum Fang der Krabben entwickelt worden sind reichen nicht aus, um das Problem in den Griff zu bekommen.

 

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