Rückblick 2005 – September: Besatzmaßnahmen in der Elbe erfreulich, aber auch zweckmäßig?

Nachdem Mecklenburg-Vorpommern mit massiven Besatzmaßnahmen versucht, dass zu erwartende EU-Fangverbot für Aale zu umgehen, will nun auch Sachsen-Anhalt zusammen mit anderen Elbanrainern Maßnahmen ergreifen, die eine Aufstockung des Aalbestandes in der Elbe zum Ziel haben. Angesichts der zusammengebrochenen Aalbestände in ganz Europa und Glasaalpreisen von bis zu 1200,- Euro/Kg sind Schutzmaßnahmen dringend erforderlich, kein Zweifel.

Diese sind jedoch nur sinnvoll, wenn sich auch andere Länder Europas daran halten. Einzelne Bundesländer Deutschlands werden an der Gesamtsituation der europäischen Aalpopulation nichts ändern. Besatz sollte keines Falls mit Schutz verwechselt werden. Ein künstlich aufgestockter Bestand ist für uns auf den ersten Blick sehr erfreulich, wird aber die notwendigen Maßnahmen der EU hoffentlich nicht verhindern.

Glassaale aus anderen Ländern in die Elbe zu setzen ist keine Lösung, sondern verlagert nur das Problem der europäischen Aalpopulation.

Zur Erfassung der aktuellen Bestände und des Wanderungsverhaltens wurde eine „Monitoringstelle“ bei Jerichow (Sachsen-Anhalt) bei einem Fischer eingerichtet.

Nach der Pressemitteilung des Landesverwaltungsamtes Halle wird diese Stelle mit 3070,- Euro unterstützt.

Dort wird mit einem Netz im Auftrag des Landesfischereiverbandes die Anzahl der abwandernden Aale erfasst und diese anschließend wieder zurückgesetzt. Inwieweit hier Objektivität von den gewonnenen Zahlen zu erwarten ist mag sich jeder selbst ein Urteil bilden. Ohne ein Verbot bestimmter Fangmethoden landen die freigelassenen Aale wahrscheinlich doch wieder in einer der vielen dicht gestellten Reusen flussabwärts. Wodurch die zuvor erfassten Zahlen nicht wirklich etwas über den Bestand insgesamt Aussagen dürften, da sie bereits bei der Erfassung veraltet sind, es sei denn, die Maßnahme wäre von einem Fangverbot begleitet. Wobei sich der Bestand trotzdem täglich ändern würde und leider nicht zum positiven. Dafür sorgt nicht zuletzt auch die über das erträgliche Maß gestiegene Anzahl der Kormorane.

Insgesamt sollen alle Alternativen zu einem Europaweiten Fangverbot geprüft werden. Ich denke es gibt keine Alternativen zum Europaweiten Verbot bestimmter Fangmethoden. Sowohl auf Glasaal als auch auf Blankaal. Die Maßnahmen, die von den einzelnen Bundesländern Deutschlands nun getroffen werden sollen, können die Erholung der Bestände allenfalls unterstützen, sind jedoch keine Alternative zu Europäischen Maßnahmen. Nicht einmal Deutschland kann verhindern, dass in den nächsten Jahren Tschechien Staudämme in die Elbe rammt.

Die Untersuchung des Wanderverhaltens um Rückschlüsse auf zukünftiges Wanderverhalten zu ermöglichen scheint mir auch nicht unbedingt Erfolg versprechend.

Aale haben keinen gleichmäßigen Wanderrhythmus der sich an Tagen ausmachen und für die Zukunft vorhersagen lässt. Sonst wäre ich dieses Jahr wohl nicht so oft Schneider geblieben. Allenfalls die Angabe einer Zeitspanne in Wochen wäre aus meiner Sicht realistisch.

Und was soll im Ergebnis damit passieren. Wasserkraftwerke in diesen Wochen abschalten? Und welche Kraftwerke in der Elbe sollen das dann sein? Die in Tschechien wohl nicht.

Selbst eine Auswertung der Aalwanderung über Jahre hinweg unter Einbeziehung aller verhaltensrelevanten Faktoren würde wahrscheinlich nur eine wage Prognose zum künftigen Wanderverhalten ermöglichen.

Wir dürfen gespannt sein, was am Ende dabei für den Aal herauskommt.

 

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