Rückblick 2006 – August: Geschmacklose Spielchen

Nein, diesmal sind es nicht die Asiaten die uns mit irgendeiner Abscheulichkeit den Kopf oder die Fäuste schütteln lassen. Wie seit langem von mir vermutet, können dies die Engländer genauso gut. Nein ich meine nicht die kulinarischen Auswüchse der nationalen Küche beider Landstriche.

Es geht hier vielmehr um ein Spiel, wie es der Hölle des Dschungelcamps entsprungen sein könnte. Was wurde eigentlich aus Aalquäler Köddelbück? Hm, zurück zum Spiel.

Im kleinen Örtchen Lyme Regis (Dorset), genauer am Cobb Square, findet seit über 30 Jahren ein einwöchiges Festival zu Ehren der nationalen Seenotrettung (RNLI) statt.

Bei diesem Festival sollen für die Seenotretter Gelder für neue Rettungsboote gesammelt werden.

Im letzten Jahr wurden auf diesem Festival 26.000 Pfund eingesammelt.

Der Gastwirt Richard Fox (heute im Ruhestand) wurde 1974 dazu bestimmt, ein besonderes Spiel zu finden, um möglicht viele Spender anzulocken. Dieses, auf einem Sommersport der englischen Landarbeiter basierende, äußerst makabere Spiel, lockte dann auch jährlich ca. 3000 Besucher auf das Festival, Tendenz in den letzten Jahren steigend.

Bei diesem Spiel kämpfen 2 Mannschaften gegeneinander. In der Regel besteht jede Mannschaft aus 10 Personen. Die eine Mannschaft stellt die nationale Seenotrettung, die Andere die örtliche Feuerwehr. Jeweils 9 Personen stellen sich dabei auf einen Blumentopf. Die Blumentöpfe sind dabei so angeordnet wie die Pins beim Kegeln. Einer der Gegenmannschaft (Stürmer genannt) muss nun versuchen die Blumentöpfe zu zerstören und die darauf befindliche Person symbolisch zum Umfallen zu bringen. Also, wie beim Kegeln bzw. Bowling. Bis hierher klingt das ja wohl noch ganz lustig. Wenn da nicht der Ball wäre.

Es gibt nämlich weder Ball, Kugel oder etwas vergleichbares womit das Ziel, alle Kameraden der Gegenmannschaft von ihrem Töpfchen zu holen, erreicht werden muss.

Stattdessen wird hierzu alljährlich ein Vertreter der Aalfamilie verwendet.

Mit einem, an einem Seil befestigten, 20 Pfund Meeraal müssen die Töpfe zertrümmert werden. Hierzu wird der Conger aus einer festgelegten Entfernung in Richtung der gegnerischen Pin-kameraden geschleudert.

Nach der Beschwerde eines/r eingeborenen Tierschützer/in per E-Mail an die RNLI ist nun mit dem „Schmusenden Seeaal“, wie das Spiel genannt wurde, Schluss. Das im Volke eher als „Aal-Prügeln“ bekannte Spiel sollte mit einer landesweiten Protestkampagne bekannt gemacht werden. Deshalb musste in diesem Jahr, am 28. Juli, erstmals eine langweilige Verankerungsboje den Job des Meeraals übernehmen.

Das Verbot dieser makaberen Aufführung durch die Behörden, stieß daraufhin bei den Veranstaltern natürlich auf Unverständnis. „Es ist nicht mehr dasselbe“. „Das ist absoluter Müll“.

Bürgermeister Ken Whetlor reagierte Empört: Mann gönne den Besuchern ein harmloses Spielchen nicht und nannte den Tierschützer einen „feigen Unruhestifter“. Nach seiner Ansicht müsste bzw. könnte nun auch der Fischfang auf Makrelen mit Köderfisch nun verboten werden.

Der Slogan der Veranstaltung: „Der größte Spaß den ein Mensch mit einem toten Fisch haben kann“ ist nun ebenfalls dahin. Es sei denn, wie das Boulevardmagazin „The Sun“ vorschlägt, in den Weiten des Meeres nach einem anderen Meeresbewohner für britische Traditions“sportarten“ Ausschau zu halten. Wie wäre es mit Delfinen?

Es wird nun zum Glück ernsthaft darüber nachgedacht ab 2007 einen künstlichen Meeraal zu verwenden.

Der Erfinder des Spiels kann die Welt nicht mehr verstehen: „ Das Volk liebte dieses Spiel seit 40 Jahren“ (kleiner Rechenfehler Herr Fox); „Die Menschen hatten ihren Spaß dabei“ (wohl eher der Mopp und Pöbel); „Was kann man einem seit 2 Monaten toten Meeraal denn noch antun?“

Nun Herr Fox, vielleicht sollte im nächsten Jahr ein 2 Monate zuvor überfahrener englischer „Fox“-terrier an ein Seil gebunden werden und in Richtung der königlichen Seenotretter geschleudert werden.

Ich denke, Herr Fox, dass dies weder die Pin-kameraden noch Sie und auch sonst kaum jemand lustig finden würde. Allenfalls der Abschaum einer europäischen Gesellschaft dürfte dazu noch Beifall klatschen oder gar noch Geld „spenden“. Es sollte keinen Unterschied machen, ob ein toter Foxterrier oder ein Meeraal bei diesem Spiel missbraucht wird. Deshalb war es höchste Zeit diesem Treiben ein Ende zu setzen.

 

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