Rückblick 2007 – April: Kleiner Hakentest – zählt immer nur die Qualität?

Der Markt für Angelhaken ist auf Grund der vielen verschiedenen Anbieter heute nicht mehr ganz einfach zu Überschauen. Manche Hersteller bieten speziell entwickelte Haken für alle möglichen Fischarten an, andere bieten einfach Köderbezogene Haken z.b. Wurmhaken in allen Formen, Farben und Größen an. Dabei wird auch auf die Qualität von Verarbeitung (X-fach gehärtet) und Material (rostfreier Karbonstahl) gerne äußerst werbewirksam hingewiesen.

Ich gebe es zu, ich habe in den letzten Jahren auf diese Werbung reagiert und natürlich “für mich” das vermeintlich “Beste” gekauft.

Als ich jedoch vor gut einem halben Jahr 2 Schnürsenkeln von unter 40 cm Länge zurück zu setzen hatte, kamen bei mir erste Zweifel auf….

Einer der beiden hatte offenbar schon einmal Bekanntschaft mit einem Haken gemacht. Als ich meinen Haken aus dem Maul löste, entdeckte ich einen 2. Haken ohne Vorfach im hinteren rechten Maulwinkel. Abgeschnitten schien der Haken nicht zu sein, denn es gab keinen Rest vom Vorfach. Ich konnte den Haken mittels Arterienklemme lösen und entfernen. Was mich jedoch nachdenklich stimmte…, der recht kleine Haken hatte so gut wie keine Rost- oder Gammelstellen?!?

Vor einigen Jahren hatte ich mal einen Aal gefangen der hatte sogar 2 Haken vor meinem geschluckt und behalten. Einer war stark angerostet ebenfalls im Maul gehakt. Der 2. wurde erst beim ausnehmen entdeckt, von ihm waren nur noch Fragmente vom Hakenbogen übrig.

Dies brachte mich auf die Idee, einmal die Haltbarkeit heutiger Aalhaken zu testen.

Ich habe dazu vor einem halben Jahr (also Anfang Oktober 2006) 5 Haken aus meiner Angelkiste (2x Gamakatzu, und je 1x Sänger, Zebco und Cormoran) zum einen in Wasser zum anderen in 25%ige Essigsäure gelegt und ab und zu Bewegung rein gebracht.

Alle Haken waren nach ca. 14 Tagen stumpf. Das war aber auch alles.

Jetzt nach einem halben Jahr zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede, was die Qualität der Haken angeht.

Am wenigsten abgebaut haben die rot lackierten Haken von Gamakazu, sowohl in der Säure als auch im Wasser gibt es kaum Verrottungserscheinungen, lediglich der Lack ist stellenweise abgelöst.

An 2. Stelle folgten die silbernen Topic Haken von Zebco, die doch schon einige Rostspuren im Wasser aufzuweisen hatten und in der Säure am Knoten vollkommen durchgefressen waren.

Die zweiten getesteten Haken der Firma Gamakazu (chromfarben) hatten schon einige größere Roststellen im Wasser und waren ebenfalls am Knoten in der Säure durchgeätzt.

Der Haken von Cormoran hat nach einem halben Jahr sehr massive Rostspuren aufzuweisen und war in der Säure nicht mehr auffindbar. Dieses Ergebnis werde ich jedoch nochmals etwas gewissenhafter überprüfen müssen.

Die Haken von Sänger waren dagegen eine echte Überraschung. Im Wasser waren sie am massivsten durch Rost angegriffen. In Säure verwandelten sie sich jedoch auf den ersten Blick in transparente leicht flexible “Glashaken”. Die Haken von Sänger scheinen speziell transparent beschichtet zu sein.

Im Neuzustand war davon aber nichts zu erkennen. Im Test blieb jedenfalls nur eine transparente extrem zerbrechliche quasi ausgelutschte Hülle vom Haken übrig. So wie eine ausgediente zu klein gewordene Schlangenhaut. Sah tatsächlich aus wie ein zerbrochener Haken aus Glas… mit Hakenspitze, Wiederhaken und allen Details… nur eben innen völlig hohl.

Leider hatte meine Angelkiste zum damaligen Zeitpunkt keine weiteren Hersteller fertig gebundener Aalhaken zur Auswahl. Zudem habe ich erst im Verlauf der Zeit erkannt, welche weiteren Aspekte bei der Hakenwahl von Bedeutung sein könnten. Ich werde in diesem Jahr also noch ein paar Aalhaken anderer Hersteller zusammentragen und den Test etwas genauer und ausführlicher wiederhohlen.

Fürs erste bin ich zu folgendem Ergebnis gekommen.

Im zeitigen Frühjahr und immer dann, wenn mit kleinen Ködern (z.B. Tauwurmstücke, Maden, …) dem Aal nachgestellt werden soll, sollte man nach Möglichkeit Haken einsetzen, die nach dem abschneiden des Vorfachs bei einem untermaßigen tief geschluckten Aalfang auch tatsächlich verrotten können.

Damit der Aal auch überhaupt die Chance hat, den Haken schnellstmöglich wieder los zu werden. Hier sind also die super tollen x-fach gehärteten rostfreien Karbonhaken völlig fehl am Platz und nicht gerade als Fischgerecht zu betrachten. Stattdessen sollte man unbedingt auf möglichst dünndrähtige und dennoch stabile, unbeschichtete Haken setzen. Mein örtlicher Händler hat mich blöd angeguckt als ich ihn nach unbehandelten Haken (rostende) fragte. Naja, muss ich halt mal wieder zu Angelspezi fahren.

Später im Jahr, wenn die Aale “laufen”, würde ich jedoch auf große qualitativ hochwertige Haken setzen. Insbesondere beim Angeln mit Köderfischen sind solche Haken von Vorteil. Damit muss man auch keine Miniaale mehr befürchten und selbst große Kallieber bekommen solche Haken nicht krumm.

Zu den Hakengrößen muss jedoch gesagt werden, dass man da sehr aufpassen muss, was in der Tüte tatsächlich drin ist. So war im Test der 4er von Gamakazu genauso groß wie der 8er von Sänger!!!

Im zeitigen Frühjahr sollte der Haken dem Köder angepasst werden. Ich nehme deshalb die Specitec von Sänger der Größen 4 bis 8. Kleinere Aalhaken sollten EU-weit verboten werden!!!

Ab Juni verwende ich die Aalhaken von Gamakazu (3120R) in der Größe 4 bis 1.

Und zum Schluss aus aktuellem Anlass noch etwas; Drillinge wie es im gerade erschienenen Sonderheft der Zeitschrift “Fisch & Fang” – “So fängt man Aale” auf der Doppelseite 6/7 zu sehen ist, haben beim Angeln auf Aale absolut nichts zu suchen!!! Aber möglicherweise sind derartige Fotos ja manipuliert und haben mit den Auoen nicht wirklich etwas zu tun?…

Bis zum ausführlichen Hakentest also bitte Augen auf beim Hakenkauf…

 

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