Rückblick 2007 – Januar: Der 7. Sinn der Aale

Der Aal unternimmt im laufe seines Lebens sehr weite Wanderungen. Diese natürlichen Wanderungen sind dem Aal in die Wiege gelegt. Nur im Gelbaalstadium und besonders im Winter und Sommer sind die Aale vergleichsweise Standorttreu. Diese Standorttreue wurde mittels Markierungsarbeiten im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen in der Vergangenheit bereits mehrfach nachgewiesen. Im Gelbaalstadium unternimmt der Aal demnach lediglich geringe aktive Wanderungen zur Nahrungsaufnahme und kehrt i.d.R. immer wieder zu seinem ausgewählten Standort zurück bzw. verlässt ihn zeitweise überhaupt nicht. Der Standort bezeichnet dabei nicht zwingend einen Unterschlupf sondern kann auch als Aufenthaltsgebiet angesehen werden. So umfasst der Standort in stehenden Gewässern oft einen Umkreis von weniger als 15 m und in Bächen bis zu 100 m. In Strömen in dehnen der Aal durch unterschiedliche Wasserführung z.T. auch verdriftet wird, ist diese Standorttreue ebenso wie im Tidenbereich nicht mehr so deutlich erkennbar. Hier erfolgen die Bewegungen im zweistelligen Kilometerbereich.

Was passiert aber, wenn man einen Gelbaal aus einem Gewässer entnimmt und ihn Kilometerweit entfernt in einem anderen Gewässer aussetzt?

Diese Frage wurde mittels vieler internationaler Versuche in Flüssen, an der Küste und im offenen Meer erforscht. Hierzu wurden Aale gefangen, markiert und anschließend weit entfernt von ihrem ursprünglichen Standort wieder ausgesetzt. Der Transport zum Ort der Aussetzung erfolgte dabei nicht unbedingt auf dem Kürzesten Weg.

Nun brauchte man nur noch abzuwarten wo und wann diese Aale den Fischern oder Anglern wieder an den Haken gehen würden. Die Ergebnisse sind erstaunlich.

Bei einem Versuch in der Nordsee wurden 75 % der wieder gefangenen markierten Aale an ihrem ursprünglichen Standort wieder gefangen. Weitere 10 % wurden auf dem Weg zwischen Aussetzungsort und Heimatstandort wieder gefangen. Dabei hatten die Aale offensichtlich auch noch den kürzesten Weg zurück zum Heimatstandort gewählt. Die ersten Rückkehrer dürften bereits nach ca. 2 Tagen wieder „zu Hause“ eingetroffen sein.

Auch andere Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten Aale bis zu einer Entfernung von gut 100 Kilometern wieder zurückfinden. Einige Exemplare sogar aus Entfernungen von über 200 Kilometern. Dabei war es auch völlig egal in welcher Himmelsrichtung die Aale ausgesetzt wurden.

Wie ist das möglich? Kann der Aal sein Heimatgewässer riechen?

Die Antwort ist klar. Nein er kann es nicht.

Es ist nicht der ausgezeichnete Geruchssinn der es den Aalen ermöglich an ihre Standorte zurück zu kehren. Andernfalls hätten die Untersuchungen im offenen Meer, wo derart filigrane richtungsbezogene und ununterbrochene Strömungen nicht existieren können, nicht die gleichen Ergebnisse erzielt, wie beim versetzen der Aale an der Küste über mehrere Flussmündungen und Buchten hinweg oder innerhalb von Flusssystemen. Auch ein versetzen aus den Unter- in die Oberläufe von Flusssystemen hätte nicht zu diesen Ergebnissen führen können.

Zudem wurden auch Aale getestet deren Geruchssinn ausgeschaltet war. Mit gleichbleibendem Ergebnis.

Was ist es also dann?

Es wird vermutet, dass der Aal, ähnlich wie Brieftauben, ein Sinnesorgan besitzt, welches ihm ermöglicht das Magnetfeld der Erde zur Heim-Orientierung zu nutzen.

Selbst wenn Aale am Aussetzungsort kurzfristig am zurückkehren gehindert werden, sind sie auch später noch in der Lage zurückzufinden.

Besatz mit gewässerfremden Gelbaalen sollte auch mit Blick auf diese Verhaltensweise unbedingt überdacht werden.

Ähnliche Geschichten, allerdings über wesentlich kürzere Strecken, kennt man auch von Säugetieren (Katzen, Hunde, Schafe, Pferde …).

 

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