Versorgung des Fangs (RC 3)

Vorwort

In den unterschiedlichsten Medien erscheinen immer mal wieder Berichte, welche sich mit angeblicher Tierquälerei beim Angeln beschäftigen. Von Zeit zu Zeit tauchen ferner Diskussionen zur Frage auf, wie gefangene Aale korrekt zu behandeln sind, um ihnen unnötiges Leid zu ersparen.

Bedauerlicherweise kursieren insbesondere in diversen Internetforen zu diesem Thema die haarsträubendsten Vorschläge und Methoden aus dem Mittelalter bzw. der industriellen Aalschlachtung rückständiger Staaten. Obwohl eine vernünftige Antwort zur korrekten Vorgehensweise nicht sehr schwer sein dürfte, passieren insbesondere bei den jüngeren Anglern zu viele unnötige Fehler.Insbesondere solche Vergehen, die nichts mit der finanziellen und somit auch der materiellen Ausstattung zu tun haben, könnten oftmals vermieden werden.

Aal im Griff

Aal im Griff

Das Wichtigste ist wohl, trotz aller Freude und Aufregung über einen gelungenen Fang, ein gewisses Maß an Ruhe zu bewahren. Das dies gerade Anfängern schwer fallen dürfte ist verständlich und nachvollziehbar. Aber auch so manch alter Hase kann schon mal in Aufregung geraten, wenn sich nach stunden- oder gar tagelangem Ansitz endlich der helle sich wild windende schlanke Bauch eines großen Aales im Lichtkegel der Kopflampe zeigt.

Die Landung

Aale werden niemals gedrillt! Gibt man dem Aal Schnur, nachdem er gehakt ist, wird er jede sich bietende Gelegenheit nutzen, um sich irgendwo am Grund festzusetzen. Einen festgesetzten Aal bekommt man nur mit sehr viel Glück und Erfahrung wieder los. Zumeist ist er jedoch verloren.

Das gesamte Gerät sollte situationsbezogen immer stabil genug sein, um auch einen unerwartet schweren Fisch noch sicher Landen zu können. Soweit möglich, sollten Aale gestrandet werden. Deshalb sind hauptsächlich solche Angelplätze zu bevorzugen, wo insbesondere auch kapitale Fische aufs Ufer gezogen werden könnten. Ist dies nicht möglich, sollte der Aal aus dem Gewässer gehoben werden. Dies setzt jedoch gute Kenntnisse des verwendeten Geräts (Tragkraft von Rute, Schnur, Vorfach, …)und etwas Erfahrung voraus.

Notfalls kann, bei stark bewachsenen oder steil abfallenden Ufern bzw. muss, wenn es gesetzlich vorgeschrieben ist, ein Aal natürlich auch mit einem Kescher gelandet werden. Gleiches gilt methodenabhängig auch für Gewässer mit potentiell kapitalen Beifängen.

Fang im Kescher

Fang im Kescher

Es sind möglichst feinmaschige und großräumige Kescher zu verwenden. Bei grobmaschigen Keschern riskiert man sonst, dass sich der Aal in kürzester Zeit so stark im Garn des Keschers verdreht und dabei derart viele Knoten mit einbaut, dass man ihn nur noch mit Gewalt dort wieder heraus bekommen kann. Dies hat dann aber oft nicht mehr viel mit schonendem Umgang zu tun. Aus dem gleichen Grund sollte ein gefangener Aal nach dem Stranden oder Herausheben auch nicht einfach in hohes Gras gelegt werden.

Das Messen

Zum Ablegen eines gefangenen Aales kann man zwar im Handel erhältliche Matten verwenden, diese sollten aber unbedingt leicht abwaschbar sein. Notfalls tut es auch ein aufgeschnittener Plastiksack. Wer auf Aale angelt, möchte diese grundsätzlich auch mitnehmen, um sie zu verwerten. Da dies aber nur bei maßigen Fischen erlaubt bzw. sogar geboten ist, muss schnellstmöglich beurteilt werden, ob der Fisch mitgenommen werden darf und auch soll. Wer jetzt anfängt nach einem schlotterigen Maßband zu kramen verliert zu viel Zeit. Deshalb macht es Sinn, zunächst einen stabilen Vergleichmaßstab, der schnell verfügbar sein sollte, anzuhalten. Zur Entscheidung „zurücksetzen oder nicht“ reicht die grobe Information „über oder unter Brittelmaß“ aus. Die genaue Länge muss schließlich nur bei mitgenommenen Fischen ins Fangbuch eingetragen werden und kann demzufolge auch nach dem Töten des Aals, also wenn er nichts mehr spürt und genügend Zeit und Ruhe vorhanden ist, bestimmt werden.

Haken lösen bei untermaßigen Aalen

Ist die grob ermittelte Länge eher unter dem geltenden Schonmaß und der Fisch weit vorne im Maul gehakt, lässt sich der Haken meist durch eine kurze Bewegung aus dem Handgelenk entfernen und der Aal auf diese Weise sehr schnell schonend zurücksetzen. Bei tiefer sitzenden Haken, welche jedoch noch exakt lokalisiert werden können, weil sie beispielsweise noch im sichtbaren Bereich des Aalmauls stecken, können/sollten verschiedene im Handel erhältliche Lösehilfen (Hakenlöser), verwendet werden. Es empfielt sich, stehts eine Auswahl unterschiedlicher Modelle im Zubehör zu haben. Jegliches ziellose herumstochern ist aber unbedingt zu vermeiden. Ist eine Lokalisierung nicht möglich bzw. der Haken zu tief geschluckt, ist das Vorfach kurz vor dem Maul abzuschneiden und der Fisch sofort zurückzusetzen. Auf keinen Fall dürfen diese Fische getötet werden, nur weil man den Haken nicht opfern will. Anschließend sollte eine passendere Hakengröße gewählt werden. Beim Abhaken bzw. Abschneiden des Vorfaches ist eine der o.g. Unterlagen u.U. hilfreich und verkürzt den Ringkampf mit den quirligen Schnürsenkeln. Notfalls kann der Aal dort kurz eingewickelt werden, wobei der Kopf bzw. das Maul zum entfernen des Hakens an einem Ende leicht heraus schauen sollte.

Aal am Haken

Aal am Haken

Weiterhin kann man, wie beim Abfischen von Mastteichen, den Aal auch mit Gummihandschuhen anfassen und vom Haken befreien, um die Schleimhaut der Fische zu schützen. Sobald der Aal auf dem Rücken liegt, bekommt er scheinbar Atmungsprobleme und hört auf sich gegen die Befreiung vom Haken zu wehren. In der richtigen Position macht der Aal sonderbare Atemgeräusche und bewegt die Kiemen wie ein Blasebalg. Jetzt kann der Haken schonend entfernt werden und das Tier durch einfaches ausrollen zurück gesetzt werden.

Aal in Rückenlage

Aal in Rückenlage

Dabei verliert ein Aal, im Gegensatz zu veralteten Methoden mit Sand oder einem Handtuch vergleichsweise nur sehr wenig Schleim, die Haut wird weniger verletzt und somit kaum Pilzanfällig. Außerdem bleiben Hände und Kleidung vom hartnäckigen Schleim weitestgehend verschont. Mit der Zeit erkennt man einen eindeutig untermäßigen Aal auch völlig ohne Hilfsmittel und mit fortschreitender Erfahrung im Umgang, muss ein solcher Fang auch immer seltener zum Haken entfernen abgelegt werden. Er wird nach dem herausheben einfach mit der rechten Hand kräftig im vorderen Drittel gefasst und in der Luft in Rückenlage gebracht. Gleichzeitig wird im hinteren Drittel (etwa am Beginn des Flossensaums) mit der linken Hand mäßiger Druck auf die Flanken des Aals ausgeübt (Caudalherz). Letzteres wirkt äußerst beruhigend auf den Aal, und hält auch nach dem Lösen des Griffs einige Sekunden an, sodass das Entfernen des Hakens oder Abschneiden des Vorfaches innerhalb sehr kurzer Zeit und vollkommen ohne Gegenwehr des Aals möglich ist.

Der Aal ist ein wahrer Überlebenskünstler und wird selbst mit einem abgeschnittenem Vorfach fertig, zumindest hat er dafür gute Aussichten, da Aalhaken (zumindest faire Haken) im Aal schnell zersetzt werden können. Kleine Aalhaken, die den Hinweis auf besondere Legierungen bzw. besondere Rostbeständigkeit enthalten, sind unbedingt zu meiden. Die Hersteller und Anbieter solcher Haken sind in diesem Zusammenhang durchaus als „Verantwortungslos“ zu bezeichnen, soweit auf den Verpackungen keine Hinweise auf die Risikopotentiale bzgl. ungewollter Kleinaale gegeben werden. Das Risiko einen untermaßigen Aal zu fangen kann durch die konsequente Wahl größerer Haken sehr gut verringert werden.

Leider tritt der Haken bei kleinen Aalen manchmal auch in der Nähe des Auges wieder heraus. In diesem Fall hilft nur das Abkneifen des Wiederhakens mit einem Seitenschneider oder das zusammendrücken mit einer Zange (Universalwerkzeug) sowie das vorsichtige entfernen des Hakenbogens. Leider kommt es selten auch vor, dass der Haken lebensnotwendige Organe verletzt. In diesem Fall und bei stark blutenden Tieren ist auch ein untermaßiger Aal sofort zu töten und zu entsorgen. Er darf sich in keinem Fall zur Verwertung (auch nicht als Köder) angeeignet werden. Untermaßige Aale die bereits tot angelandet wurden, sind wahrscheinlich an Stress verendet, welcher evtl. krankheitsbedingt vom Organismus als Hormon überproduziert wurde. Auch solche Aale sollten schon aus ästhetischen Gründen entsorgt (vergraben oder in kleinen Stücken zurück ins Gewässer geworfen) werden.

Töten eines maßigen Aals

Das Töten eines maßigen Aals ist im Vergleich zum schonenden Umgang und dem Zurücksetzen viel weniger aufwendig und vollkommen unkompliziert.

Der gravierendste und häufigste Fehler ist der Versuch, den Haken zu lösen, bevor der Aal getötet wurde. Aale werden weiterhin vor dem Töten nicht betäubt, da dies mit den einfachen Mitteln eines Anglers nicht funktioniert. D.h. löst man den Haken zuerst und tötet dann den Aal, hat man dem Tier möglicherweise sinnlose Schmerzen bereitet, was als nichts anderes und deutlich als Tierquälerei benannt werden muss.

Der maßige Aal wird zuerst mit einem Herzstich bei gleichzeitiger Durchtrennung der Wirbelsäule, zwischen die Brustflossen getötet und anschließend sofort ausgenommen. Für junge Aalangler empfiehlt es sich ggf. eine Aalzange (ungetestet) oder einen handelsüblichen speziellen Aaltöter zu verwenden. Mit diesen Geräten erfolgt gleichzeitig im Bruchteil einer Sekunde Herzstich und Durchtrennung des Rückenmarks. Jegliche andere Form, einen mit der Angel überlisteten Aal zu töten, ist nicht Fischgerecht und i.d.R. strafbar. Erst jetzt wird der Haken entfernt, soweit dies nicht schon beim Ausnehmen geschehen ist.

Schlusswort

Einen Aal zu töten sollte niemals leicht fallen, sondern immer mit echtem und bewusstem Respekt gegenüber dem Fang erfolgen! Wer weiß denn schließlich, welch lange und riskante Reise dieser gefangene Aal bereits hinter sich hat???

Vorbei an den Glasaalfischern, den auslaufenden Säuretankern, gierigen Kormorankolonien, Überbeständen an Welsen und Hechten, häckselnden Wasserkraftturbinen, scheinbar unüberwindlichen Querverbauungen, eingeschleppten Krankheiten, massiven Gewässerverschmutzungen, kommerziellen Fischereibooten und hunderten von Netzen und Haken….

Aufgetaucht aus 4000 m unerforschter Tiefe, nach 25 Jahren und weit über 6000 Kilometern Reise durch die Gewässer dieser Welt bis in die kleinsten Gräben aufgestiegen und nun am Ende seiner Reise… aber nicht am Ziel…. (Ziel seiner Reise war seine Geburtsstätte, die Sargassosee…)…

Deshalb sollte jeder Aalfreund Respekt im Umgang mit dem gefangenen Tier zeigen und von Fang zu Fang schnell, verantwortungsvoll und bewusst und JEDESMAL auf`s Neue entscheiden, ob diese Reise für dieses Tier nun zu Ende sein soll … oder weitergeht. Das Töten dieser Tiere sollte nicht zur mechanischen Routineentscheidung eines industriellen Bolzenschussgeräts verkommen…

 

 

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