Rückblick 2007 – Mai: Rettungspläne für den Aal vorerst erneut gescheitert.

Der Schutz der europäischen Aale, steht in diesen Tagen, Wochen und Monaten immer wieder auf der Tagesordnung verschiedenster Gremien des Europäischen Rates. Die EU-Kommission hat, wie bereits berichtet, nach langjährigen Untersuchungen, Anhörungen und Beratungen sowie auf Grundlage verschiedener Gutachten eine entsprechende Empfehlung erarbeitet und dem Parlament zur Entscheidung übergeben. Nicht zuletzt aus diesem Grunde trafen sich am letzten Montag, 23.04.2007, die 27 Agrarminister der europäischen Union in Luxemburg zu diplomatischen Gesprächen.
Leider konnte man sich bei diesen, von Landwirtschaftsminister Seehofer geleiteten, Verhandlungen, weder zum Schutz der Aale, noch zum Schutz anderer überfischter Arten abschließend einigen.
In einigen Punkten, wie z.B. beim Vorschlag eine garantierte Abwanderungsrate für Blankaale in Höhe von 40% Europaweit festzuschreiben, war man sich offenbar einig.
Letztlich scheiterten die Verhandlungen zum Schutz der europäischen Aale jedoch an der Frage der Glasaalpolitik. Hier waren 2 Mitgliedstaaten nicht bereit auf die von Seehofer vorgeschlagenen Kompromisse einzugehen.
Es sind die einzigen Mitgliedsstaaten, die noch über eigene natürliche Zuwanderungsraten in größeren Dimensionen verfügen, während die meisten anderen Mitgliedsstaaten ihre ursprünglich vorhandenen natürlichen Resurcen bereits nahezu ausgerottet haben.

Frankreich und Spanien sind bisher nicht bereit, den Großteil ihres Glasaalaufkommens den anderen Europäischen Staaten für Besatzmaßnahmen in Fließgewässer zur Verfügung zu stellen. Während der Vorschlag der EU bekanntlich 75 % des Glasaalaufkommens als Besatz zur Wiederauffüllung der europäischen Flüsse als notwendig erachtet, sind Spanien und Frankreich nicht bereit, mehr als 20 % ihrer Glasaalbestände für derartige Zwecke zur Verfügung zu stellen. Der Kompromissvorschlag von Seehofer die Zahl auf 60% bis zum Jahr 2010 zu beschränken wurde ebenfalls abgelehnt.
Exakte Gründe für die Ablehnung sind nicht bekannt.
Vermutlich sind äußerst lukrative Exportverträge mit großen Aquafarmen in Europa und Asien (vor allem China) die Ursache dieser konsequent ablehnenden Haltung der beiden Mitgliedsstaaten.
Vor einigen Jahren wurden, insbesondre im Zusammenhang mit Exporten nach Asien, bereits Mafiaähnliche Verhältnisse vermutet. Europäische Lieferverträge wurden z.T. nicht eingehalten und die Glasaalkontingente zu weit aus höheren Preisen nach Fernost verschoben.
In Spanien und Frankreich gelten Glasaale aber nicht nur als absoluter Exportschlager, sondern auch als eine besondere Delikatesse. Es wird jedoch vermutet, dass in letzter Zeit nur noch jene Glasaale verzerrt werden, die durch den äußerst groben Umgang mit den Tieren bereits beim z.T. illegalen Fang ihr Leben lassen mussten, oder bei einer der vielzähligen Qualitätskontrollen für Aalfarmen durchfallen.
Alles was nicht als Überlebensfähig bzw. Transportfähig angesehen wird, wird aussortiert und landet in der Dose oder gleich auf dem Teller.
Bis zum Ende des Jahres soll ein Katalog mit Maßnahmen gegen die illegale Fischerei vorgelegt werden. Inwieweit hier auch die Glasaalfischerei einbezogen sein wird, ist nicht bekannt.

Auch wenn die Verhandlungen der letzten Woche gescheitert sind, so besteht offenbar doch noch große Zuversicht, dass eine dringend erforderliche Einigung in naher Zukunft doch noch erzielt werden kann.
Denn in Frankreich sind am nächsten Sonntag, 06.05.2007, Präsidentschaftswahlen. Und möglicherweise war man deshalb nicht bereit, so kurz vor der Wahl, eine derart wichtige, mit wirtschaftlichen Folgen verbundene, Entscheidung zu treffen.
Diplomaten rechnen damit, dass in einer der folgenden Sitzungen (evtl. schon Mai/Juni) eine Entscheidung zu erwarten ist.

 

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